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Viele ältere Menschen leiden an Gicht,

Gelenkschmerzen, Arteriosklerose. Studien zufolge stehen diese Krankheiten mit dem Fleisch- essen in Zusammenhang. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass älteren Menschen die vegetarische Ernährung besonders gut bekommt. In diesem Artikel wollen wir noch ein anderes Thema aufgreifen: Den Abschied des Menschen von dieser Welt.

Unsere zwei Hunde

»Linus« und »Luka« gehen freundlich auf die Heimbewohner zu und lassen sich gerne liebkosen. Das freut die Senioren sehr.

Interview mit "Helfende Hände"

Ve g: Frau Sack, in den Seniorenheimen und allen anderen Einrichtungen von
»Helfende Hände« wird ausschließlich vegetarisch gekocht. Wie kommt das bei den Senioren an?
Elfriede Sack: Die vegetarische Kost wird sehr gut angenommen. Es gibt überhaupt keine Probleme. Auch vom gesundheitlichen Standpunkt her gibt es immer wieder Erfreuliches zu berichten. So müssen z.B. Senioren mit Diabetes weniger Insulin spritzen oder brauchen es überhaupt nicht mehr.

Ve g: Ich habe gehört, dass in vielen Seniorenheimen das Thema Sterben ein Tabu-Thema ist. Wie gehen Sie mit diesem Thema um?
Elfriede Sack: Bei Weiterbildungen hören wir natürlich, wie es in anderen Heimen zugeht. Da heißt es z.B. »Der graue Flitzer« ist gekommen, wenn jemand gestorben ist. Gemeint ist das Auto des Leichen-Bestatters. Niemand spricht offen darüber. Dies erzeugt natürlich eine bedrückende Atmosphäre. Alle haben Angst, dass der »graue Flitzer« bald wieder kommt - für sie!
Bei uns wird über das Thema Sterben offen gesprochen. Jeder weiß Bescheid, wenn jemand in die Sterbephase geht. Es wird auch über die Ängste gesprochen, die dabei eventuell entstehen. Ich habe schon häufig Sterbende und deren Angehörige begleitet.
Ve g: Wie ergeht es Ihnen dabei?
Elfriede Sack: Das erste Mal war ich natürlich sehr aufgeregt. Ich sagte immer wieder zu dem Sterbenden: »Sie brauchen keine Angst zu haben, Sie brauchen keine Angst zu haben.« Plötzlich öffnet er die Augen, schaut mich ganz ruhig und zufrieden an und sagt: »Ich habe keine Angst!« Da wurde mir auf einen Schlag bewusst, dass ich Angst hatte, nicht er!

Ve g: Was ist das wichtigste bei der Sterbebegleitung?
Elfriede Sack: Man muss bedenken, dass die Menschen, die zu uns kommen, meist sehr betagt sind. Wenn ein Mensch angstlos sterben möchte, ist es wichtig, dass er sich schon frühzeitig darauf vorbereitet. Wir haben extra eine Bibliothek eingerichtet, in der es sehr viele, sehr gute Bücher zu diesem Thema gibt. Diese Bücher werden sehr eifrig genutzt. Die Heimbewohner lernen, dass es wichtig ist, mit Ihren Verwandten und Bekannten, mit allen Menschen ins Reine zu kommen und alle privaten Angelegenheiten zu klären, bevor es zu spät ist. Wenn jemand dies gewissenhaft tut, dann kann er dem Tod, dem Übergang in eine andere Welt, leichter begegnen. Ich kann als Sterbebegleiterin natürlich nur wirklich helfen, wenn auch ich mit meinen Mitmenschen im Reinen bin und niemandem etwas nachtrage. Sonst wären meine Worte letztlich nur aufgesetzt und ohne große Kraft. Beim Patienten kommt nur an, was echt ist.

Informationen

HELFENDE HÄNDE Soziale Dienste e.V. Spessartstr. 34 97839 Kredenbach Tel.: 093 94 / 80 70 Fax: 093 94 / 80 72 52

Ve g: Realisieren die Sterbenden in hohem Alter, was eigentlich passiert?
Elfriede Sack: Es ist unterschiedlich. Vor kurzem ist eine Frau gestorben. Sie war bis zur letzten Sekunde bei Bewusstsein. Sie hat in den letzten Monaten viel gelesen und hat sich sehr gut vorbereitet. Eines Tages sagte sie dann: »Das Taxi wartet, meine Koffer sind schon gepackt.« Dann wollte sie noch einmal in die Gemeinschaft gehen und hat sich von jedem feierlich verabschiedet. Es war sehr ergreifend für alle. Dann ist sie friedlich, mit leuchtenden Augen, in die andere Welt hinübergangen.

Ve g: Wechseln Sie sich am Sterbebett ab?
Elfriede Sack: Ja, wenn der Bewohner dies möchte. Wir gehen auf individuelle Wünsche ein. Es kann auch sein, dass jemand zeitweise alleine sein möchte. Die Verwandten werden natürlich schon früh benachrichtigt. Wir haben einen Senioren-Service, bei dem viele Frauen ehrenamtlich helfen. Das klappt sehr gut. Meist haben es die Senioren sehr gern, wenn ihnen vorgelesen wird. Auch hören sie gerne ruhige Musik.

Ve g: Glauben Sie persönlich, dass es nach dem Tod weitergeht?
Elfriede Sack: Ich persönlich glaube daran. Das heißt aber nicht, dass jeder Sterbende daran glaubt. Aber mir gibt die Gewissheit vom Weiterleben nach dem Tod eine innere Sicherheit, auch das Wissen um die Reinkarnation. Ich weiß, der Tod ist nicht das Ende, nur ein Übergang. Ohne dieses Wissen wäre es wohl sehr schwer, Sterbende zu begleiten.

Ve g: Ein anderes Thema: Ich habe zwei Hunde im Seniorenheim gesehen. Sind die beiden immer da?
Elfriede Sack: Ja, das sind Linus und Luka. Die Senioren lieben diese Hunde. Wenn einer von den beiden herkommt, fangen ihre Augen zu strahlen an. Es ist auch, als ob die Hunde spüren, was hier ihre Aufgabe ist. Sie gehen offen auf die Heimbewohner zu. Sie kennen keine Abwertung oder Bevorzugung. Egal, wie jemand aussieht, sie gehen freundlich zu jedem hin und lassen sich gerne liebkosen. Das freut die Senioren sehr. In den Medien wird ja immer öfter von einer therapeutischen Wirkung von Tieren auf den Menschen berichtet.
Auch uns bringen die Hunde viel Freude. Wenn ich in ihre schönen Augen schaue, ergreift mich das immer.

Ve g: Vielen Dank für das Gespräch.