Jordi Campos
Arzt für Naturheilverfahren HG Naturklinik Michelrieth Ärztegesellschaft für vegetarische Ernährung
Viele Menschen haben, sensibilisiert durch die Fleischskandale, den Konsum von Fleisch reduziert oder ganz gestrichen. Stattdessen essen sie mehr Fisch. Dadurch wurde aber nur der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben, denn auch der Fisch hat seine
Gefahren...
Veg: In vielen Zeitschriften, Gesundheitsmagazinen und bei Gesundheitssendungen im Fernsehen wird oft gesagt, dass Fisch essen gesund sei, wegen der ungesättigten Fettsäuren, Omega-3-Fettsäure, Selen, Jod etc.
J. Campos: Die traurige Folge: Viele Menschen essen sich krank - und noch mehr Fische müssen sterben. Im Medizinstudium wird wenig über richtige Ernährung gelehrt. Die meisten Ärzte haben sich nicht genügend mit dem Thema Ernährung beschäftigt und übernehmen völlig veraltete Dogmen oder die Slogans, die von der Nahrungsmittelindustrie diktiert werden: »Fisch ist gesund für die Schilddrüse und gilt als Vorbeugung vor Herzinfarkt« usw. usw.
Veg: Fisch wird oft von Ärzten und Ernährungsexperten für Rheuma- und Herzkranke empfohlen.
J. Campos: Das heißt nicht automatisch, das dies richtig ist. Fische enthalten relativ viel Arachidonsäure (die auch in Fleisch und in tierischen Fetten zu finden ist), was die Entstehung von entzündlichen Prozessen an den Gefäßwänden, im Bindegewebe und an den Gelenken begünstigt und zahlreiche Erkrankungen wie z.B. Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall, Fibromyalgie, Arthrose und Rheuma verursacht. Nie gab es so viele Herzinfarkte wie heute: mehr als 300.000 Fälle pro Jahr, trotz vermehrten Fischkonsums. Längst ist bewiesen, dass die Ursachen dieser sogenannten Zivilisationskrankheiten ungesunde Ernährung und Lebensweise sowie die vielen Genussmittel (Nikotin, Kaffee, Alkohol, Zucker) sind.
Veg: Aber es gibt doch erfolgreiche Untersuchungen mit Fisch-Omega-Kapseln?
J. Campos: Man gaukelt den Menschen vor, sie könnten mit Omega-Kapseln oder anderen Wundermitteln gesund werden - ohne dass sie im Leben etwas ändern müssen. Man sucht etwas, das es nicht gibt: eine Pille gegen ungesunde Ernährungs- und Lebensweise. Die Studien mit Omega-Fettsäure beispielsweise werden oft mit Patienten nach einem Herzinfarkt durchgeführt, die ihre Lebens- und Ernährungsweise zum Teil bereits umgestellt haben, die Bewegungsmangel vermeiden oder aufgehört haben zu rauchen. Da wundert es nicht, wenn mit den »Wunder-Fisch-Kapseln« das Herzinfarktrisiko gesenkt wird. Das hätte man wahrscheinlich auch ohne diese erreicht - durch eine bewusstere Lebensweise.
Veg: Also empfehlen Sie, keinen Fisch zu essen?
J. Campos: Rein aus ethischen Gründen kann ich persönlich tierische Ernährung nicht empfehlen. Auch Fische sind Tiere und kein vegetarisches Lebensmittel, wie es einem viele Restaurants auf ihren vegetarischen Seiten weismachen wollen. Haben Sie schon einmal einen Fisch beobachtet, wie harmonisch und elegant er sich bewegt? Fische zu beobachten vermittelt Ruhe. Wenn man Fische eine Weile beobachtet, kann man sie dann noch essen? In einem Dokumentarfilm sah ich einmal, wie eine Fischmutter, als sie auf einem Fischkutter mit ihren Jungen gefangengenommen wurde und selber bereits mit dem Tode rang, sich noch mit letzter Kraft vor ihre Jungen warf um sie zu schützen. Kann man da noch Fisch essen?
Veg: Und aus ärztlicher Sicht?
J. Campos: Trotz der oft angeführten gesundheitlichen Vorzüge kann Fisch, vor allem Seefisch, auch rein aus ärztlicher Sicht nicht uneingeschränkt empfohlen werden. Da die Meere mit Chemikalien und Industriestoffen verschmutzt sind, enthalten Seefische, vor allem solche, die sehr fett sind oder lange leben, Schwermetalle wie Blei und Cadmium sowie Rückstände aus Pflanzenschutzmitteln. Auch hochgiftiges Dioxin und Quecksilber findet sich in Meerestieren (vor allem im Aal, Heilbutt, Hai, Schwert- und Thunfisch). (Natur & Kosmos 8/02) Durch belastete Gewässer zeigen sich bei Fischen und Fröschen zunehmend Abnormitäten. Wussten Sie, dass 70 % der Fische in der Havel, auf Grund der Pestizidbelastung des Gewässers, weiblich sind? Pestizide wirken im tierischen und menschlichen Körper nämlich wie Östrogene. (BIO 4/02)
Arzneimittel reichern sich über das Abwasser in nennenswerten Dosen in Flüssen und Seen an und gelangen so auch ins Grund- und Trinkwasser. Das Umweltbundesamt forderte, dass Arzneimittelhersteller Umweltrisiken strenger prüfen müssen. Als Beispiel wurde die Anti-Baby-Pille genannt. Deren Hormone würden ausgeschieden und gelangen in den Wasserkreislauf. Experten gingen davon aus, dass die Oberflächengewässer in Deutschland mit 2 Mikrogramm Östrogen pro Liter belastet sind. Bereits 0,5 Mikrogramm pro Liter führten bei Fischen zu Hormonstörungen, die die Fortpflanzung behinderten. Im Trinkwasser sei Östrogen nachzuweisen. (Main Post 06/02)
In Deutschland nehmen ca. 5 Millionen Frauen Hormone, um Osteoporose, Herzinfarkt oder klimakterischen Beschwerden vorzubeugen, ca. 15 Millionen Frauen nehmen die Anti-Baby-Pille. Hormonrückstände gelangen durch die Abwässer in die Flüsse und Meere und beeinflussen die Biologie der Fische mit einer vermehrten Verweiblichung.
Das Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe hat im Zuge einer Studie von Grundwasser an 105 Stellen mehrfach auf 63 Substanzen geprüft. Nachgewiesen worden sind hauptsächlich Medikamentenrückstände von Schmerz- und Anti-Rheuma-Mitteln, Herz- und Hormonpräparaten, Antibiotika u.v.m. Nicht nur Fische, sondern auch wir Menschen bekommen durch das Leitungswasser diesen Medikamenten-Cocktail serviert.
Veg: Sind Fische aus Fischfarmen weniger belastet?
J. Campos: Jährlich werden etwa eine Million Tonnen Meerestiere aus den Ozeanen gefischt. Die Bestände sind fast überall in der Welt heillos überfischt, die Fangerträge gehen zurück. Somit spielt die Zucht eine immer größere Rolle. Heute kommt bereits etwa ein Drittel des Weltfischfangs aus so genannten Aquakulturen, der kontrollierten Aufzucht in Becken oder Netzkäfigen.
Doch diese Massentierhaltung hat auch ihren Preis. In Lachszuchten etwa drängeln sich mehr als eine halbe Million Fische in den Gehegen eines Zuchtbetriebs. Die Intensivhaltung bedingt einen hohen Einsatz von Medikamenten. Auch gentechnische Fischvergrößerungen sind keine Utopie. 35 verschiedene Fischarten wurden bis jetzt so verändert, dass sie ein Wachstumshormon schnell auf unnatürliche Größen bringt. (Stuttgarter Zeitung 12/02)
Shrimps werden in industriellen Aquakulturen gezüchtet. Zum einen werden diese Tiere, damit sie schneller wachsen, mit Antibiotika behandelt. Dazu wird häufig das billige in Asien zugelassene und in Deutschland verbotene Antibiotika Choroamphenicol (aber auch Nitrofurane) eingesetzt, das Schäden im Erbgut hervorrufen kann. Das führt zu Rückständen in den Tieren. Die Zeitschrift Öko-Test fand in 7 von 20 untersuchten Proben das verbotene Mittel.
Veg: Wie steht es mit Dioxin-Rückständen in Fischen?
J. Campos: Dioxin ist eines der stärksten krebserregenden Stoffe, die es gibt. Eine aktuelle Studie vom Wissenschaftlichen Komitee für Ernährung und Tierfütterung der Europäischen Union hat herausgefunden, dass Fische aus Nord- und Ostsee besorgniserregend stark mit Dioxinen verseucht sind. Der Grund: In die europäischen Meere werden noch immer schmutzige und dioxinhaltige Industrieabwässer geleitet. 10.000 Tonnen Fischmehl landen jährlich in Karpfen und Forellenteichen. Auf diesem Umweg kommt das Dioxin dann in angereicherter Form auf den Teller der Menschen. (Focus 4/01)
Veg: Welche vegetarischen Produkte enthalten Omega-3-Fettsäure?
Omega-3-Fettsäure: Leinsamen, Leinöl, Walnüsse, Sojabohnen, Weizenkeime, Rapsöl, Schwarzkümmelöl, Postelein.
Raps- oder Leinöl, Walnüsse, Keimlinge und dunkelgrünes Blattgemüse enthalten Alpha-Linolensäure, den pflanzlichen Vorläufer der Omega-3-Fettsäuren.
Selen: Kokosnuss, Bierhefe, Weizenkeime, Weizen-/Dinkelvollkorn, Knoblauch, Kohlrabi, Broccoli. Sesam, Sonnenblumenkerne, Paranüsse, Walnüsse, Cashewkerne, So-jabohnen, Rosinen, Pilze, Weiße Bohnen, Weißkraut, Rotkraut, Wirsing, Bärlauch, Gurken, Tomaten, Zwiebeln, Avocados, Rote Beete, Wurzelpetersilie, Radieschen, Zitrusfrüchte, Pflaumen...
Jod: Meeresalgen (Wakame, No-ri, Kombu, AFA-Blaugrüne Algen), Spi-rulina, Chlorella, Sauerkrautsaft, Spinatsaft, Trauben- und Apfelsaft, Broccoli, Mangold, Brunnenkresse, Cham-pignons, Grünkohl, Äpfel, Knoblauch, Kürbiskerne, Hülsenfrüchte, Soja.


















