Bannfluch eines Papstes gegen Vegetarier, der bis
»Wenn jemand Fleischspeisen, die Gott den Menschen zum Genuss gegeben hat, für unrein hält und ... auf sie verzichtet ... sei er mit dem Bannfluch belegt.« Papst Johannes III. (561-574) verkündete dieses Anathem auf der 1. Synode von Braga (Portugal).
Heute wird man als Vegetarier nicht mehr schief angesehen, eher bewundert, denn kein Fleisch mehr zu essen ist Trend. Jede Woche wechseln allein in Deutschland 4000 Menschen ins vegetarische Lager. In-zwischen essen 12% der deutschen Frauen und 3% der Männer kein Fleisch mehr. Das ergibt bereits einen Schnitt von 8% der Gesamtbevölkerung, Tendenz klar steigend.
Noch vor 20 Jahren verzichteten lediglich 0,6 Prozent der Deutschen auf »Tierleichenteile« als Lebensmittel. Vegetarier wurden damals noch als »Körnerfresser« abgewertet, wie es heute noch in einigen Ostblockstaaten der Fall ist. Im Land des Papstes, in Polen, hat es der Vegetarismus noch immer sehr schwer, im katholisch-bürgerlichen Milieu zu be-stehen. Anzeigen für Vegetarier-Veran-staltungen etc. werden noch heute von Zeitungen wegen Sektiererei abgelehnt. Das mag in unseren Ohren wie ein Witz klingen, hat aber in der katholischen Geschichte eine brutale Tradition. Auch wenn es heute im Westen immer moderner wird, sich gesund und fleischlos zu ernähren, so war dies in früheren Zeiten unter der Herrschaft der katholischen Kirche ein schweres, ein tödliches Verbrechen: Hunderttausende Vegetarier und Veganer wurden über viele Jahrhunderte auf Initiative der Kirche verfolgt, verhört und getötet. Ganze Landstriche wurden entvölkert, ganze Dörfer vernichtet, ganze Gemeinschaften ausgerottet. Ein Beispiel: Durch Ablassversprechungen des Papstes angelockt, bildete sich in Südfrankreich Anfang des 12. Jh. eine bis 200.000 Mann starke kreuzzugartige Mörderbande, die über Dörfer herfiel und alle Menschen einschließlich Frauen, Kinder und Greise erstach, erschlug, köpfte oder verbrannte - allein des Verdachts wegen, es könnten Vegetarier oder Veganer der Gemeinschaft der Albigenser oder Katharer darunter sein. Im Dorf Beziéres starben 20.000 Men-
schen an einem Tag. Warum? Die vegetarisch/vegan lebenden Katharer lehnten es ab, Tiere zu töten. Ebenso lehnten sie im Alten Testament die angeblich von Gott befohlenen bestialischen Grausamkeiten und Tiergemetzel ab. Sie hielten sich an das Urchristentum: Sie glaubten an die Reinkarnation und lehnten eine kirchliche Hierarchie ebenso ab wie die Sakramente, insbesondere die Säuglings-Taufe und das rituelle Abendmahl. Sie glaubten nicht, dass Brot in Menschenfleisch, (das Fleisch Jesu) umgewandelt wird und Wein in Menschenblut (das Blut Jesu). Sie lehnten auch die Heiligenverehrung und das Verehren von menschlichen Leichenteilen (Reliquien) ab, sie lehnten den Eid ab und das Privateigentum. Die Katharer/Albi-genser waren Radikal-Pazifisten, die nicht einmal ihr eigenes Leben verteidigten.
Diese Lebensweise in den Fußstapfen des Jesus von Nazareth beeindruckte viele Menschen, so dass die Bewegung der Albigenser/Katharer um das Jahr 1200 n. Chr. sich so stark vergrößerte und auch unter den Katholiken derart an Achtung und Bedeutung gewann, dass sie zu einer ernsthaften Konkurrenz für das Papsttum wurde. So veranstalteten die Papisten 1209 einen großangelegten Vernichtungsfeldzug, der das Ziel hatte, die Albigenser/Katharer und ihre Lehre restlos auszurotten. Innerhalb weniger Jahre waren die Albigenser und die gesamte friedliche okzidentalische Kultur vernichtet.
Doch der Kampf der Päpste gegen Ve-getarier hatte schon viel früher begonnen: Bereits Papst Johannes III. (561-574) vekündete auf der 1. Synode von Braga in Por-tugal einen Bannfluch gegen die Vegetarier, um der Gemeinschaft der Manichäer habhaft zu werden, von denen bekannt war, dass sie vegetarisch lebten.
Ein Bannfluch wirkte sich verheerend auf die betroffenen Vegetarier aus und war wie ein Todesurteil, da der Verbannte als »vogelfrei« galt und jeglichen Schutz verlor, d.h. von jedem straflos getötet werden durfte. Zudem verlor er alle bürger-lichen Rechte.
In den ersten Jahrhunderten nach Christus war das Wissen noch verbreitet, dass Jesus und Seine Apostel und Jünger Vegetarier waren. Dass die Liebe zu den Tieren ein bedeutender Punkt Seiner Lehre war und ist, steht heute außer Zweifel. Das beweisen antike Schriften (siehe Interview mit Carsten Strehlow in »Freiheit für Tiere« 1/2003 »Die verheimlichte Tierliebe Jesu« und die gleichnamige Broschüre im Verlag Das Brennglas). Selbst Hieronymus, der die Bibel zusammenstellte, schrieb in seinen Briefen darüber, auch wenn er diese Wahrheit nicht in die Evangelien aufnehmen durfte.
Zudem beweisen Überlieferungen der ersten Kirchenväter, dass die Urchristen vegetarisch gelebt hatten.
Eine weitere aufschlussreiche Begeben-heit findet im Jahre 692 n. Chr. statt: Justinian II. beruft die Trullanische Synode (auch Quinisext) ein. Auf dieser Synode lehnt der Papst folgende auf der Trullanischen Synode festgelegte Bestimmung ab: »Die Heilige Schrift verbietet das Essen von tierischem Blut. Ein Priester, der Blut zu sich nimmt, wird mit seiner Absetzung, ein Laie mit seiner Exkommunikation bestraft.«
Die Grundeinstellung der katholischen Kirche gegen Vegetarier kostete über die Jahrhunderte hinweg vielen Tausend Menschen das Leben. Man kann sogar sagen: Ganze Gemeinschaften, die die Prinzipien des Urchristentums zu leben versuchten - und dazu gehörte als wichtiger Bestandteil der Vegetarismus /Veganismus - wurden von der Kirche verfolgt und durch ihre Einflussnahme möglichst ausgerottet: angefangen bei den Mani-chäern, über die Bogumilen, die Waldenser, bis zu den Albigensern und Katharern, einschließlich vieler kleiner Gruppen in Italien und Frankreich.
Ein Beispiel, wie Bischöfe Vegetarier zum Tode verurteilt haben, findet sich in einem Buch aus dem Jahre 1904 über das Papsttum:
»Durch die Bischofsversammlung in Goslar im Jahre 1051 wurden mehrere als Ketzer zum Tode verurteilt, weil sie sich geweigert hatten, Hühner zu töten...«
Wenn wir heute den Glauben dieser wegen ihrer Tierliebe verfolgten Gemein-schaften rekonstruieren wollen, finden wir fast keine Schriften und Hinterlassen-schaften, die uns etwas über ihren Glauben kundtun - allzu gründlich hat die Inquisition gewütet. Lediglich einige Ritz-Zeichnungen der Bogumilen auf Steine - siehe Illustration auf dieser Seite - sind erhalten.
Doch da, wo man es am wenigsten vermutet - in den Protokollen der Inquisitionsverhöre -, finden sich noch Hinweise über das Leben der verfolgten Vegetarier und Veganer. Dabei erstaunt die hohe Ethik dieser Urchristen. Sie ist den heutigen Menschen meilenweit voraus. Würden die heutigen Menschen dieses Wissen besitzen und leben - es ginge den Tieren und der Natur besser.
Die Verfolgung von Vegetariern duch die Kirche
Neuerscheinung - Verlag Das Brennglas - Röttbacher Str. 61 - 97892 Kreuzwertheim
Protokolle der Inquisition beweisen:
Viele Ketzer lebten vegetarisch und vegan und wurden auch deshalb von der Kirche verfolgt
Die Manichäer lebten vegan:
• »Sie essen jedoch auch kein Fleisch...
• Sie essen nicht einmal Eier...
• Sie dürfen sich nicht von irgendwelchen toten Körpern ernähren...
• Sie trinken auch keine Milch...«
Die Bogumilen lebten vegan:
• »Der Genuss von Wein und Fleisch, von Milch und Milchprodukten, Käse und Eiern... war untersagt.«
Die Katharer lebten vegan:
• »... sie durften kein Tier töten.«
• »... sie beten oft, fasten und verzichten alle Zeit auf Fleisch, Eier und Käse...«
Die Glaube der Manichäer:
• »Sie glauben, dass Kräuter und Bäume so leben, dass sie - ihrer Ansicht nach - das Leben, das in ihnen ist, spüren und leiden, wenn sie verletzt werden.«
»Durch die Bischofsversammlung in Goslar
im Jahre 1051 wurden mehrere als Ketzer zum Tode verurteilt, weil sie sich geweigert hatten, Hühner zu töten...«


















