Viele Senioren leiden an Gicht, Gelenkschmerzen, Arteriosklerose. Studien zufolge sind diese Erkrankungen ernährungsbedingt und stehen im Zusammenhang mit dem Fleischessen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass älteren Menschen die vegetarische Ernährung besonders gut bekommt.
Frau F. ist 80 Jahre alt und wohnt seit 10 Monaten im Seniorenheim von Helfende Hände in Kredenbach. Die vegetarische Ernährung, wie sie in diesem Seniorenheim angeboten wird, war neu für sie. Vor kurzem musste Frau H. plötzlich ins Krankenhaus, wo die Entscheidung anstand, ob sie vegetarische Kost oder die üblichen Menüs mit Fleisch und Fisch haben möchte. „Ich hab zuerst gedacht, jetzt könnte ich es ja ausnützen“, sagt sie augenzwinkernd. „Aber dann dachte ich, ich sollte doch jetzt nicht rückfällig werden, und entschloss mich für die fleischlose Ernährung.“ Sie hat guten Grund, denn bevor sie ins Seniorenheim der Helfenden Hände kam, brauchte sie hohe Dosen Insulin für ihren Diabetes. Allein in diesen 10 Monaten konnte sie, auch dank der vegetarischen Ernährung, die Dosierung auf ein Minimum reduzieren. Es war eine Entscheidung für ihre Gesundheit. Wir sprachen mit Frau Niemand, der Leiterin der Helfende Hände Soziale Dienste e.V.
Veg: Frau Niemand, ist diese Erfahrung ein Einzelfall?
Christine Niemand: Nein, Frau F. ist kein Einzelfall. Wir haben in den letzten 8 Jahren, seit Bestehen der Pflegestation immer wieder solche Erlebnisse, auch andere Heimbewohner machen die Erfahrung, dass entweder die Dosierung des Insulins heruntergefahren werden kann, Abführmittel weggelassen werden können oder ähnliches. Frau S. ist seit 5 Jahren bei uns, als sie einzog, bekam sie 120 Einheiten Insulin pro Tag. Im letzten Jahr konnte die Dosis auf ca. 30 Einheiten pro Tag reduziert werden, was selbst den behandelnden Diabetologen sehr verwunderte. Diese Entwicklung könnten mit der höheren Insulinempfindlichkeit bei vegetarischer Ernährung zusammenhängen. Auch ist ja mittlerweile bekannt, dass die vegetarische Ernährung die sinnvollste Entschlackungsmaßnahme für den Körper ist.
Veg: Worauf muss die Küche achten, wenn sie für die Senioren kocht?
Christine Niemand: Wir achten natürlich darauf, dass das Essen eiweiß-, mineralstoff- und vitaminhaltig ist. Die Mahlzeiten bestehen aus verschiedenen Getreidearten, Gemüsegerichten, Hülsenfrüchten, Milchprodukten, Käse, Joghurt, Quark und Eiern in allen Variationen.Mindestens ein bis zweimal pro Woche stehen auf dem Speiseplan Gerichte aus Hülsenfrüchten, die sehr eiweißhaltig sind.Erbsensuppe, Linseneintopf oder Küchlein aus Kichererbsen mögen die Bewohner besonders gerne, frische Salate und Obst, der Jahreszeit entsprechend, ergänzen den Speiseplan. Vor kurzem gab es die großen weißen Bohnen. Das löste positive Reaktionen aus: „Oh fein, endlich wieder einmal die guten alten Saubohnen“, sagte ein älterer Herr.
Viele Senioren kennen diese Küche aus Zeiten, als es höchstens einmal pro Woche Fleisch zu essen gab und die Zivilisationskrankheiten noch nicht an der Tagesordnung waren.
Veg: Vermissen die Senioren das Fleisch?
Christine Niemand: Natürlich braucht jemand, der sein Leben lang Fleisch gegessen hat, unter Umständen eine Übergangszeit und geht am Anfang hie und da ins Restaurant. Aber bei unserer Küche dauert das meist nicht lange. Die Fleischersatz-Produkte, z.B. ein Geschnetzeltes aus Weizeneiweiß mit schmackhafter Rotweinsoße, bieten den Geschmacksnerven vollen Ersatz für das Fleisch-Geschnetzelte. Eine Hilfe sind z.B. auch die vegetarischen Würste. Wir verwenden gerne die vegetarische Salamino. Daraus lässt sich ebenfalls leckeres „Geschnetzeltes“ machen. Oder man schneidet dünne Scheiben als Aufschnitt oder dicke Scheiben, die paniert und gebraten werden. Wichtig ist, dass gut gewürzt wird. Die Erbsenküchlein dürfen ruhig ein wenig pikant gewürzt werden. Denn der Gaumen hat sich durch jahrzehntelanges Fleischessen an diesen Geschmack gewöhnt.
Veg: Wie fühlen sich die Senioren mit der vegetarischen Ernährung?
Christine Niemand: Wir hören immer wieder, dass Fleisch die Verdauung viel mehr belastet. Die vegetarische Ernährung mit viel Salat und Früchten belastet den Organismus weniger und die Senioren fühlen sich wohler und bleiben länger fit.
Informationen:
HELFENDE HÄNDE
Soziale Dienste e.V.
Spessartstr. 34
97839 Kredenbach
Tel.: 093 94 / 80 70
Fax: 093 94 / 80 72 52


















