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Vegetarisch genießen

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Einleitung Rezepte
Artikel: Über die Intelligenz Knackt Nüsse! Veg. in Thailand Ich habe mehr Kraft Veg. Würste I Veg. Würste II Die Herstellung Aus aller Welt Diener der Tiere Fit auch im Alter Die reine Natur Lasst die Tiere frei! Trockenfrüchte Leserbriefe

Vegetarismus in Thailand

Sie leben die Lehren Buddhas

, der seinen Jüngern gebot, kein Fleisch zu essen, und werben für den Vegetarismus.

Buddha gebot seinen Jüngern, kein Fleisch zu essen. Daran hielten sich die Thailänder über
tausend Jahre lang. Doch dann kamen vor 150 Jahren die Chinesen und entfachten den Fleischkonsum. Doch es gibt noch Menschen, die für Buddhas ursprüngliche Lehre kämpfen.

Die thailändische Küche erfreut sich vor allem aufgrund ihrer feinen frischen Gemüse und Gewürze und ihrer wohlschmeckenden natürlichen Zutaten weltweit großer Beliebtheit. Eine Köchin in Patong erzählte uns stolz, dass einige ihrer Vorfahren sich damals gegen die neue Tradition des Tiere-Tötens und Fleischessens gewehrt hatten. Sie hatten beobachtet, dass das Fleischessen mit vielen Krankheiten verbunden war, die man vorher in diesem Land nicht kannte. So hatten sie die Städte verlassen und sich in die Wälder rund um die Stadt Phuket zurückgezogen. Hier wollten sie so leben, wie Buddha es sie gelehrt hatte: vegetarisch und ohne das Töten von Tieren, die sie als ihre Mitgeschöpfe achteten.
Als wir die Frau fragten, ob es noch heute Abkömmlinge dieser Gruppe gebe, dachte sie lange nach und verriet uns schließlich, dass am Rande der Stadt Patong noch eine kleine Gruppe religiöser Vegetarier lebt, die eine Art kleines Restaurant betreibt. Da beschlossen wir, uns am folgenden Tag auf die Suche nach dieser Gruppe zu machen.

Das war gar nicht so einfach, denn die Auskünfte der Befragten waren spärlich, und selbst die nächsten Nachbarn taten so, als würden sie nichts von einer solchen Gruppe wissen. Irgendwann standen wir dann doch vor dem kleinen, bescheidenen Häuschen - und wurden herzlich, wenn auch etwas überrascht, begrüßt. Eine junge und eine ältere Frau waren um unser Wohl bemüht, besonders nachdem wir ihnen mit viel Gestik klar machen konnten, dass wir Vegetarier sind und für ein deutsches Vegetarisches Magazin schreiben und fotografieren.

Mit dem Mofa

holen die Mütter ihr vegetarisches Mittagessen ab.

Der Duft nach frischen Kräutern und Gewürzen erweckte in uns schon die Vorfreude auf zu erwartende Köstlichkeiten - und tatsächlich wurden wir mit feinsten vegetarischen Spezialitäten bedient. Das vegetarische „Hähnchen“, ein Fleischersatz, der auf dem Grill für uns zubereitet worden war, hatte es uns besonders angetan: Es war knusprig gebraten, innen ganz zart und von erlesenem Geschmack.

Nach dem Mahl erkundigten wir uns nach dem Inhalt der Sprüche, die an den Wänden in Rahmen aufgehängt waren. Es handelte sich um Lehrsätze Buddhas, in denen er ganz klar seinen Jüngern gebot, kein Fleisch zu essen. Dann wurden wir in ein Hinterzimmer geführt, das für Gebete und Meditationen benutzt wurde und in dem sich ein kleiner Buddha und viele Bücher befanden. Auf diese richtete sich unser besonderes Augenmerk, denn sie waren, das spürten wir, etwas Besonderes, und sie enthielten auch viele anschauliche Bilder. Ein inzwischen herbeigeholter englischsprechender Lehrer gab uns so manche interessante Aufklärung und wir durften einige der Zeichnungen fotografieren.

Damals, vor etwa 150 Jahren, überschwemmten also über 30 000 chinesische Einwanderer die Insel und trieben mit ihrer Unsitte des Fleischessens immer mehr gläubige Buddhisten in die Wälder. Da hatte eine chinesische Gaukler-Gruppe - die wohl den Kabarettisten unserer Zeit vergleichbar war und den Zeitgeist ins Visier nahm - eine bahnbrechende und versöhnende Idee: Sie schlugen vor, dass jedes Jahr ein 9-tägiges Vegetarier-Festival stattfinden sollte. Alle Restaurants, die in dieser Zeit nur vegetarische Speisen ausgaben, sollten eine gelbe Fahnen hissen. So geschah es, und so ist es bis heute. Fast alle Restaurants hängen Anfang Oktober während neun Tagen eine gelbe Fahne aus und bieten nur vegetarische Speisen an. Diese Zeit wird für eine innere und äußere Reinigung genutzt. Die Menschen tragen weiße Kleider, und die buddhistischen Tempel werden rege besucht. Inzwischen ist das Vegetarier-Festival weit über die Grenzen bekannt und Zehntausende kommen von überall her - allerdings mehr aus äußeren Gründen: um die feinen vegetarischen Spezialitäten zu probieren und die Fakire bei ihren waghalsigen „Bußübungen“ zu beobachten. Das Innere bleibt dabei mehr und mehr auf der Strecke, und so ist nach Ablauf dieser Zeit wieder alles beim Alten: Die Menschen stürzen sich, um ihre Gaumenlust zu befriedigen, wieder auf die unschuldige Kreatur, und es gibt wohl kaum ein Tier, das dafür nicht herhalten müsste. Frösche, Raupen und Käfer, Innereien, Hühnerköpfe und -füße - alles wird gekocht, geröstet oder gebraten und verzehrt.

Die Chinesen essen alle Därme

und Eingeweide der Tiere. Damit sie diese nicht zu waschen brauchen, stecken sie den lebenden Tieren vor dem Schlachten einen Schlauch mit Wasser in den Schlund, um sie mit Hochdruck „durchzuspülen”, bis nur noch sauberes Wasser aus dem Hinterteil läuft. Nach buddhistischer Lehre erleidet der Folterknecht im Jenseits genau die gleichen Schmerzen, wie er sie im Diesseits den Tieren zugefügt hat.

Ein Bild in einem der Bücher dieser „Ur-Buddhisten“ fiel uns besonders auf. Auf der oberen Hälfte des Bildes - im Diesseits - führte ein Mann einen Schlauch in das Maul eines Rindes. Auf der unteren Hälfte des Bildes - das Jenseits symbolisierend - führte ein „Wächter“ einen Schlauch in den Mund des gleichen Menschen. Der buddhistische Lehrer erklärte uns das Bild: Da die Chinesen auch die Därme und Eingeweide der Tiere essen, aber zu bequem sind, diese nach dem Schlachten zu waschen, stecken sie den lebendigen Tieren vor dem Schlachten einen Schlauch mit Wasser in den Hals, um sie mit Hochdruck „durchzuspülen“, bis nur noch sauberes Wasser aus dem After spritzt. Das Tier erleidet bei dieser wahnwitzigen Tortur unsägliche Schmerzen und Todesängste. „Nach unserem Glauben - und so hat es uns Buddha gelehrt - erleidet der Folterknecht im Jenseits genau die gleichen Schmerzen, wie er sie im Diesseits den Tieren zugefügt hat“, schloss der Lehrer seine Erläuterungen. Eine einleuchtende Lehre, die auch Jesus von Nazareth seinen Jüngern verständlich gemacht hatte: „Was ihr sät, werdet ihr ernten“ ...

Draußen im Gastzimmer wurde weiter bedient. Sogar an der Straße war ein kleiner Stand aufgestellt, den die Hausfrauen mit ihren Mofas - meist mit ihrer ganzen Kinderschar vollgepackt - direkt und ohne abzusteigen anfahren konnten. So war es ihnen möglich, ihr vegetarisches Mittagsmahl ohne Mühe einzukaufen. „Leider gibt es bis jetzt nur ganz wenige Vegetarier“, bemerkte die junge Frau traurig. Die meisten seien zwar Buddhisten, aber das Leiden der Tiere sei ihnen nicht bewusst.

Man konnte sich wohlfühlen bei diesen ehrlichen und einfachen Menschen, die ihr Leben nur dem einen Ziel gewidmet haben, ihre Mitmenschen vom Fleischessen abzubringen und sie aufzuklären - und das mit vollem Einsatz.

Thailand

ist das Land der Früchte. Das ganze Jahr kann geerntet werden - paradiesisch!