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Hinduismus

• Der Hinduismus basiert auf den über 5000 Jahre alten indischen Veda-Schriften. Im Hinduismus findet man die meisten religiös motivierten Vegetarier auf diesem Planeten. Seit Jahrtausenden werden in Indien die Ideale des Gewaltverzichts und des Respekts vor den Geschöpfen Gottes hochgehalten, womit auch eine vegetarische Ernährung einhergeht.

• Die Priesterkaste hat jedoch immer wieder versucht, das Karma-Gesetz auszuhebeln und das Gesetz des Gewaltverzichts zu umgehen. So wurden Opferrituale eingeführt mit dem Hinweis, das Fleisch der Opfertiere falle nicht unter das Gesetz und könne nachher ungeniert gegessen werden, ohne dass der Esser Schaden an der Seele nehme. Doch schließlich setzte sich das Tötungsverbot durch, das vedische “Nichtschädigen von Lebewesen”.

• Erstaunlicherweise konnten weder die islamische noch die britische Fremdherrschaft noch die neuzeitlichen westlichen Einflüsse am Lebensstil der Brahmanen etwas Wesentliches ändern. Man vermutet, dass der Reinkarnationsglaube entscheidend dazu beiträgt, dass die Inder sich an den Tieren nicht belasten wollen.

• Wenngleich durch das Christentum und den Islam auch in Indien Schlachthöfe entstanden sind, so ist der Vegetarieranteil immer noch so hoch wie in keinem anderen Land.

Der durchschnittliche Fleischkonsum der Inder: Pro Kopf 4,4 kg/Jahr
(Hier sind fleischessende Christen und Moslems eingerechnet.)

Der Fleischkonsum in Deutschland: Pro Kopf 61,5 kg/Jahr (2003)

• Es wird immer wieder behauptet, dass es viele Haustiere/Nutztiere nicht mehr gäbe, wenn alle Menschen Vegetarier wären. Indien hat aber statistisch die höchsten Tierbestände (Rinder/Schafe/Ziegen, Hühner etc.), obwohl die Inder Vegetarier sind und keine Tiere töten...

Vegetarismus im Hinduismus

• “Fleisch kann man sich nicht verschaffen, ohne anderen Lebewesen Gewalt anzutun. Deshalb sollte man den Verzehr von Fleisch vermeiden.” Manu-samhita

• “Du sollst deinen von Gott gegebenen Körper nicht zum Töten von Gottes Geschöpfen gebrauchen - weder Mensch noch Tier, noch irgendein anderes Wesen.” Yajur-Veda, 12.32

• Dr. Renate Syed kommt in ihren Recherchen über die Essgewohnheiten der Inder zum Schluss, dass religiöses und philosophisches Denken ihr Nahrungsverhalten ganz entscheidend beeinflusse, was in diesem Falle den Titel dieser Broschüre einmal im umgekehrten Sinne bestätigt.

• Nahrungsmittel werden in Indien mit starken Emotionen verknüpft, und verbotene Speisen wie Fleisch, Fisch, Zwiebeln oder Knoblauch erregen Ekel, weshalb nur wenige Personen verbotenen kulinarischen Verlockungen erliegen. 1) S. 140

• Beobachtung einer Reiseleiterin in Indien: “Indische Kinder, vor allem im Süden, die den im Freien verzehrten Inhalt unserer Lunchboxes zu sehen bekamen, grauste es nicht selten angesichts der Hühnerbeine, Schinkenstücke und Eier, die ihnen wohlmeinende deutsche Touristen auch noch anboten ...” 1) S. 285

• Dr. Renate Syed schreibt in ihrem Artikel “Das heilige Essen”: Festzustellen ist, dass die den vegetarischen Brahmanen erlaubten Lebensmittel gesund sind und auch nach unseren modernen Kenntnissen Wohlbefinden und ein langes Leben zu garantieren vermögen. Weder die Nahrungsmittel noch die Speisen aus orthodoxer brahmanischer Küche werden unseren Ekel hervorrufen. Das einzige, das dem westlichen Menschen Schwierigkeiten bereitet, ist die Schärfe des indischen Essens, vor allem der Küche des Südens.

• Umgekehrt schaudert es gläubige Hindus bei dem Gedanken an zahlreiche unserer Nahrungsmittel: Rindfleisch, möglicherweise halbroh, Schweinefleisch und roher Fisch, Käse, Eier (Träger von Leben), Meeresgetier, Schnecken, Pilze und vieles mehr. 1) S. 137

• Selbst McDonald’s musste den indischen Gepflogenheiten Rechnung tragen und vegetarische Burger anbieten. Weder Rind- noch Schweinefleisch darf angeboten werden. Ersteres aus Rück-sichtsnahme auf die Hindus und letzteres als Konzession an die Muslime. 1) S. 141

• Bereits 1910 schreibt Al-Birüni über die “Heiligen Kühe”: Was die ökologischen Gründe betrifft, müssen wir uns vor Augen führen, dass die Kuh dasjenige Tier ist, das dem Reisenden die Lasten trägt, das in der Landwirtschaft beim Pflügen und Säen hilft und dem Haushalt die Milch und die aus ihr hergestellten Produkte liefert. Selbst ihr Dung wird verwendet, und im Winter sogar ihr Atem. Deshalb war das Verzehren des Kuhfleisches verboten.” 1) S. 284

Vegetarismus in Indien

Die Verfälschungen der vedischen Lehre durch die Priesterkaste

Der Trick mit dem Tieropfer
• Um das vedische Gesetz des Nichtverletzens von Lebewesen zu umgehen, wurden sakrale Tiertötungen gestattet und der im Rahmen des Opfers stattfindende Fleischverzehr erlaubt; das außerrituelle Essen von Fleisch hingegen wurde verboten. So konnten die Priester erreichen, dass viel mehr geopfert wurde (um legal Fleisch essen zu können), und durch die Opferung hatten die Priester das Volk unter Kontrolle und das Geld rollte ...

Schuldgefühle verdrängen
• Dem Opfertier gegenüber empfand man jedoch Schuldgefühle, die man zu besänftigen versuchte; so wurde das zu tötende Tier mit den Worten angesprochen: “Nicht stirbst du, nicht wirst du verletzt, du gehst auf angenehmen Wegen zu den Göttern.” Rgveda 1.162.21. 1) S. 132

Gott will angeblich das Fleischessen
• Fleisch zu essen sei kein Vergehen, da der Schöpfer selbst einige Wesen dazu bestimmt habe, verzehrt zu werden, während andere Verzehrer seien. 1) S. 132 Manu-smrti 5.30

Gott will angeblich das Töten von Opfertieren
• Einige Tiere habe Gott für das Opfer bestimmt, und die Tötung eines Opfertieres sei deshalb nicht als Tötung anzusehen. 1) S. 132 Manu-smrti 5.39

• Dazu steht im Mahabarata: “Wer das, was den Göttern ... dargeboten wurde, verzehrt, der verhält sich den Vorschriften entsprechend und befleckt sich nicht.”

• “Wer Fleisch verzehrt, das in einer Opferhandlung bereitet wurde, begeht kein Vergehen.”

• Fleischgenuss im Ritual ist nicht nur keine Verfehlung, sondern als Nicht-Fleischgenuss zu verstehen.” (3.199.12)


1) Perry Schmidt-Leukel,
Die Religonen und das Essen,
DIEDERICHS GELBE REIHE,
Hugendubel Verlag,
Kreuzlingen 2000

Zum Thema Hinduismus:
Dr. Renate Syed
“Das heilige Essen. Religiöse Aspekte des Speiseverhaltens
im Hinduismus”

Konstruktionen und Versuche, dem Karma zu entgehen

Die Anhänger der Sikh-Religion

sind strenge Vegetarier. Man erkennt die Sikhs an ihrem Turban und ihren langen Bärten.Ihr Gründer Nanak Dev gründete 1469 die Glaubensgemeinschaft der Sikhs. Er lehrte die Menschen, an einen Schöpfer zu glauben. Die Sikhs gehören zu der gebildeten Oberschicht Indiens, Der jetztige Ministerpräsident Indiens ist ein Sikh.

Die vedischen Inder haben also immer wieder einen Weg gesucht, Fleisch zu essen, nicht zuletzt sogar Rindfleisch. Es bestand jedoch die Vorstellung, dass getötete bzw. gegessene Tiere sich im Jenseits rächen, indem sie ihrerseits dort den Töter bzw. Esser töten und verzehren.
Die vedischen Ritualisten und Priester hatten deshalb eine ganze Palette von Maßnahmen und ideologischen Konstruktionen erfunden, um ihrer Meinung nach der Rache des Tieres entrinnen zu können (theologischer Versuch, das Karma-Gesetz auszuhebeln...):

• Wegsehen bei der Tötung
• Vermeidung der üblichen Wörter beim Töten
• Ableiten und Neutralisieren der Verletzung durch Rituale
• Beschwichtigungs- und Schutzrituale
• Fiktion der Zustimmung des Opfertieres
• Erklärung der Opferung als Überführung des Opfertieres in die Himmelswelt
• Abschieben des Tötens bzw. der Verantwortung auf einen von außen Hinzugekommenen (Opfermeister oder Gast) 1) S. 149

Trotz der Bemühungen der Priester - Indien ist das Land der Vegetarier. Selbst die Tieropfer werden inzwischen durch andere Gaben ersetzt. Lediglich bei der Verehrung der Göttin Kali werden noch Ziegen getötet.
Durch den Einfluss des katholisch und evangelisch geprägten Westens auf die dritte Welt (z.B. McDonald etc.) nimmt der Fleischkonsum in letzter Zeit jedoch wieder zu.