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• Was versteht man unter „Verschlackung“ und was führt dazu?
• Wie funktioniert eine wirkungsvolle Entgiftung des Körpers?
• Wie ist es um die Qualität unserer Lebensmittel bestellt?

Dr. med. Hans-Günter Kugler
Ärztegesellschaft zur Förderung
der vegetarischen Ernährung e.V.
www.fleisch-macht-krank.de 
Silke Dziallas
Dipl. oec. troph.  
Dipl. Ing. Christoph Michels,
Vegetarisch genießen-Koch  

Veg: Herr Dr. Kugler, was sind denn jetzt eigentlich diese „Schlacken“? Wie sammeln sie sich im Körper an, und was versteht man unter „Entschlackung“ oder „Entgiftung“?

Dr. med. Hans-Günter Kugler: Der Begriff „Entschlackung“ hat eine sehr lange Tradition, die bis in die Antike zurückgeht: In der Antike (z.B. Hippokrates) verstand man Krankheiten als eine fehlerhafte Zusammensetzung der Körpersäfte (Dyskrasie). Das Ziel der Therapie war es, durch Ausleitung der schädlichen Körperflüssigkeiten die Harmonie im Körper wieder herzustellen (Eukrasie).
Was versteht man nun genau unter Schlacken? Eigentlich ist der Stoffwechsel so beschaffen, dass beim Abbau von Eiweiß, Kohlenhydraten und Fetten gar keine Schlacken entstehen. Die Kohlenhydrate und Fette werden zu CO2, also zu Kohlendioxid und zu Wasser abgebaut, und beim Abbau der Aminosäuren - das sind die Eiweißbausteine - entsteht unter anderem Stickstoff, der in Form von Harnstoff über die Nieren ausgeschieden wird.
Es ist aber auch möglich, dass die reguläre Verwertung von Nährstoffen gestört ist, z. B. wenn Spurenelemente fehlen oder Vitamine. Dann können Stoffwechselsäuren entstehen: z.B. Milchsäure, wenn Vitamin B 1 fehlt. Auch lang anhaltender psychischer Stress führt zu Störungen der Verdauungsenzyme und kann Sauerstoffmangel bewirken. Dadurch wird der Zellstoffwechsel beeinträchtigt. So ist Stress einer der Hauptgründe für die Verschlackung.

Veg: Dann sind Schlacken im Grunde ein Abfallprodukt?

Dr. med. Hans-Günter Kugler: Ja, der Abbau der Nährstoffe bleibt auf einer bestimmten Stufe stehen, und diese Reste sammeln sich dann an. Das sind die Schlacken. Und dabei haben wir es mit jeder Menge Giftstoffe zu tun. Denn der Mensch ist in der heutigen Zeit einer sehr großen Zahl von chemischen Stoffen ausgesetzt. Es sind 400 Millionen Tonnen Chemikalien, die jährlich produziert werden. Sie kommen durch die Industrie-Landwirtschaft und auch den Privatverbraucher in Umlauf: Es sind an die 4.000 Arzneistoffe, ca. 5.500 Zusatzstoffe der Lebensmittelproduktion, 1.500 Bestandteile von Pestiziden und ca. 50.000 Chemikalien, mit denen der Durchschnittsbürger in Berührung kommt.
Im April 2004 wurde von der WBF eine repräsentative Studie an EU-Parlamentariern durchgeführt, bei der eine erhebliche Belastung mit langlebigen, schwer abbaubaren Chemikalien festgestellt wurde. Und wir wissen nur bei etwa 25 % der Chemikalien überhaupt, wie chronische Konzentrationen langfristig wirken. In den letzten Jahren hat man solche Substanzen, die zum Teil hormonähnliche Wirkung haben (endocrine disruptors), auch im Trinkwasser entdeckt. Das ist die modernste Form der Verschlackung, die wir kennen.


Veg:
Wo sonst noch sind Schadstoffe aus der Umwelt in unseren Lebensmitteln enthalten? Wo liegen die Gefahren?

Dipl.-Ing. Christoph Michels: In Deutschland werden auf den Feldern 276 regulär zugelassene Gifte vernebelt. Und von diesen 276 Wirkstoffen sind über 60 hormonell wirksam oder im Verdacht, hormonell wirksam zu sein. Sie greifen also in die Stoffwechselsteuerung des Menschen ein - ohne dass man genau weiß, was passiert. Die Folgen sieht man aber zum Beispiel in den Gewässern. Es gibt Missbildungen bei Fischen und Kleinstlebewesen.
Und womit werden diese Schlachttiere gefüttert, die hierzulande gegessen werden? Aus Fischen, die nicht direkt vom Menschen verzehrt werden, wird Fischmehl gemacht. Damit werden z.B. Hühner und andere Tiere gefüttert. Es ist ein großer Nahrungsmittelkreislauf. Und wer Fleisch verzehrt, verzehrt zugleich die vorhin genannten Chemikalien und Gifte in ihrer höchsten Anreicherung. Wir setzen uns also durch den Fleischkonsum einer irrsinnigen Gefahr aus, hochkarätige Gifte anzusammeln.

Veg: Giftstoffe sammeln sich speziell im Fettgewebe der Tiere an. Ist ein Stück Fleisch ein Endlager für Chemikalien?

Dipl.-Ing. Christoph Michels:
Schauen wir doch einmal den klassischen Sondermüll an, z.B. die Schwermetalle. Sie blockieren gewisse Enzyme in unserem Körper. Der Körper versucht deshalb, diese Schwermetalle außer Gefecht zu setzen, indem er sie ins Fettdepot einschleust. Das machen aber auch die Tiere, das machen alle Lebewesen. Sie versuchen, schädliche Stoffe, die sie nicht ausscheiden können, irgendwo inaktiv abzulegen - im Körper zu entsorgen.

Veg: Woher genau kommen solche Schwermetalle?

Christoph Michels: Es gibt da die Papierindustrie, die Erdölraffinerien, die Düngemittel-Herstellungen, die Stahlindustrie, die Erzhütten usw. Alle liefern Schwermetalle. Diese Metalle sind zwar gewissermaßen "natürlich", aber sie sollten eben nicht gegessen werden. Sie landen nun in der Luft, im Staub, natürlich auch auf dem Gemüse. Gemüse können wir aber immerhin waschen oder notfalls sogar schälen. Was hingegen als Futtermittel verfüttert wird - meistens sehr, sehr billige Ware, ist zum Teil hochgradig - bis an die Grenzwerte - mit Schwermetallen belastet. Was das Tier isst und nicht in seinem Fleisch einbaut, geht in Form von Gülle wieder auf die Felder hinaus und landet erneut im Futtermittelkreislauf.
Bei uns Menschen ist das ähnlich: Was wir nicht im Körper einbauen, geht über die Abwässer oder als Klärschlamm wieder in die Gewässer zu den Fischen oder auf die Äcker - mit all den Medikamenten, die wir schlucken. In Deutschland werden 40 % der menschlichen Ausscheidungen auf den Äckern ausgebracht, in Niedersachsen sogar 70 %. Wieder ein Beispiel für die Anreicherung von Giftstoffen in der Nahrungskette.

Veg: Was tun? Wir haben diese Stoffe eingelagert, im Fettgewebe und anderswo. Wie wird man diese Gifte und Schlacken wieder los?

Dr. med. Hans-Günter Kugler: Zunächst einmal muss man festhalten: Das Sinnvollste ist natürlich, erst gar keine Giftstoffe aufzunehmen. Wenn ich unbelastete oder kaum belastete Nahrungsmittel esse, z.B. pflanzliche Lebensmittel, kann ich mich auch nicht vergiften. Denn wenn der Schadstoff erst einmal in den Körper und in die Blutbahn gelangt ist, kann er nicht ohne weiteres wieder ausgeschieden werden. Entschlackung ist kein einfacher Prozess, denn die meisten Gifte sind fettlöslich. Und was fettlöslich ist, kann nicht direkt ausgeschieden werden, sondern muss zuerst in eine wasserlösliche Form gebracht werden. Wenn die Giftstoffe wasserlöslich sind, können sie über die Nieren ausgeschieden werden. Das ist ein sehr energieaufwendiger und komplizierter biochemischer Prozess, der in der Leber stattfindet (Biotransformation).
In der ersten Phase der Entgiftung, der "Phase-1-Reaktion", werden die Giftstoffe chemisch so verändert, dass sie an ein körpereigenes Molekül angekoppelt werden können. Und in der zweiten Phase werden sie dann ausgeschieden.

Veg: Was braucht die Leber, um optimal entgiften zu können?

Dr. med. Hans-Günter Kugler: Wichtig ist vor allem eines: Sauerstoff! Es kann durchaus passieren, dass bei starker toxischer Belastung bis zu 50 % des Sauerstoffs, der durch die Leber geht, für die Entgiftung benötigt wird. Es gibt auch bestimmte Enzymfamilien, die für die Entgiftung notwendig sind, mit einigen hundert Subspezies oder Unterarten. Diese sind notwendig, weil ja im Bedarfsfall bis zu 4000 Arzneistoffe entgiftet werden müssen.
Es kann sein, dass die Aktivität der Entgiftungsenzyme von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ist. Es gibt also schnelle Verstoffwechsler und langsame. Das ist auch ein Grund dafür, dass Nahrungszusatzstoffe und Medikamente unterschiedlich vertragen werden.
Eine zentrale Bedeutung für die Entgiftung hat auch das Molekül Glutathion. Das ist ein kleines Eiweißmolekül, bestehend aus drei Aminosäuren. Man braucht es, um besonders gefährliche Gifte abzubauen. Glutathion hat aber nicht nur eine Bedeutung für die Entgiftung, sondern ist überhaupt eines der wichtigsten Moleküle im Zellstoffwechsel. Wenn man nun zur Entgiftung viel Glutathion braucht, dann fehlt es natürlich an anderer Stelle, zum Beispiel im Immunsystem. Das heißt: Wenn die Leber viel entgiften muss, leiden andere Organsysteme Mangel.
Für die Phase-2-Reaktion braucht man ebenfalls bestimmte Aminosäuren, z. B. Methionin und Glycin. Man kann die Entgiftungsreaktionen auch durch bestimmte Pflanzeninhaltsstoffe anregen, und es gibt Vitamine, die die Entgiftung unterstützen, z.B. Vitamin C, E und B 12. Auch die Spurenelemente Zink, Selen und Molybdän helfen beim Entgiften.

Veg: Kann man die Leber bei ihrer Arbeit unterstützen? Welche Ernährung ist sinnvoll, wenn man entgiften und entschlacken möchte?

Silke Dziallas: Eine sinnvolle Entgiftungsernährung wäre eine fleischlose Ernährung, denn wir nehmen dadurch schon einmal sehr, sehr viel weniger Schadstoffe auf. Auch hat eine gemüsereiche, ballaststoffreiche Ernährung den Vorteil, dass die Darmtätigkeit angeregt wird. Die Speise verweilt also kürzere Zeit im Darm und wird schneller ausgeschieden. So werden Gifte nicht so leicht aufgenommen.
Des weiteren enthalten Pflanzen viele der von Dr. Kugler genannten Stoffe, die die Leber bei ihrer Entgiftungsarbeit unterstützen: Vitamin C beispielsweise ist in Obst und Gemüse enthalten. Speziell in Broccoli und Rosenkohl finden sich sehr hohe Vitamin-C-Konzentrationen, die zum Teil noch höher sind als der Vitamin-C-Gehalt einer Zitrone. Auch Petersilie ist ein ganz wichtiger Vitamin-C-Träger. Schneiden Sie also ruhig ordentlich Petersilie in Ihren Salat, oder streuen Sie ein paar Kräuter über das Essen.
Das Spurenelement Zink, das ebenfalls ein wichtiger Baustein zur Entgiftung ist, findet sich z.B. in Vollkorngetreide.
Selen wiederum hat die Fähigkeit, Schwermetalle zu binden und auch die Ausscheidung zu erleichtern. Knoblauch enthält viel Selen, auch Sesam (schmeckt köstlich auf Salat!), Nüsse, Pilze, Linsen, Spargel und - je nach Selengehalt der Böden - auch Getreide.
Eine Stoffgruppe, die bei der Entgiftungstätigkeit der Leber auch eine große Rolle spielt, sind die so genannten Glucosinulate. Sie sind vor allem in denjenigen Gemüsesorten enthalten, die zur Familie der Kreuzblütler gehören, wie z.B. Rettich, Radieschen oder Eiszäpfchen; auch Senf, Meerrettich und Kresse gehören dazu. Glucosinulate sind aber auch in den Kohlgemüsen enthalten: in Weißkohl, Brokkoli, Grünkohl. Man tut also gut daran, ab und zu Kohl auf dem Speiseplan zu haben.
Auch Kumarine unterstützen die Entgiftung. Sie sind in Zitrusfrüchten enthalten oder in Tomaten. Auch in der Artischocke findet sich ein wertvoller Stoff zur Entgiftung: Cynarin, das die Leberfunktionen anregt. Eine weitere wichtige Stoffgruppe sind die Sulfide, also Schwefelverbindungen, die z.B. in Lauchgewächsen enthalten sind. Hierbei muss man den Bärlauch besonders erwähnen, ein ganz hervorragendes Frühjahrskraut, das der Entgiftung und Entschlackung in besonderer Weise dienlich ist.

Veg: Wo findet man Bärlauch, und welchen gesundheitlichen Wert hat er?

Silke Dziallas:
Wer im März, April oder Mai einmal in einem Park oder in einem Waldgebiet spazieren geht, bemerkt sicher den stellenweise fast schon penetranten Geruch nach Knoblauch. Das ist dann aber nicht der Knoblauch, sondern sein kleiner wilder Bruder, der Bärlauch. Auf den Bärlauch trifft der Satz des Hippokrates zu: "Eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein. Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel sein." Bärlauch gehört ebenfalls zur Gruppe der Lauchgewächse und ist in seiner gesundheitlichen Wirkung dem Knoblauch noch überlegen. Er enthält mehr biologisch aktive, also gesundheitsfördernde Substanzen als der Knoblauch. Zudem enthält er Stoffe, die im Knoblauch gar nicht vorkommen, und - weniger ein gesundheitlicher als ein zwischenmenschlicher Aspekt - Bärlauch verursacht nicht so starke Körperausdünstungen wie der Knoblauch.
Die gesundheitlich wirksamen Komponenten des Bärlauchs sind die Sulfide, die die Entgiftung anregen, Schwermetalle binden können und Zellsysteme mit hohem Schwefelbedarf regenerieren können, z.B. die Hautzellen. Doch der Bärlauch kann noch mehr: Er enthält bestimmte Stoffe (Gamma Glutamyl Peptide), die als so genannte ACE-Hemmer blutdrucksenkend wirken, und zwar stärker als der Knoblauch. Auch enthält Bärlauch Agenusin, einen Stoff, der gefäßerweiternd wirkt. Er hemmt die Verklebung von Blutplättchen, kann bei Herz-Rhythmus-Störungen hilfreich sein, den Herzmuskel stärken. Bärlauch hat auch antibakterielle Eigenschaften und kann sogar Pilze bekämpfen. Bärlauch ist ein Allround-Kraut, das in einer gesunden Frühjahrsküche auf keinen Fall fehlen sollte.

Veg: Was muss man beim Entschlacken und Entgiften noch beachten?

Silke Dziallas:
Wichtig ist: Viel trinken! Denn was an Schlacken und Giften im Körper mobilisiert wurde, muss auch ausgeschwemmt werden. Zwei bis drei Liter Wasser oder Tee täglich wäre hier zu empfehlen. Auch gibt es bestimmte Gemüsesorten, die beim Ausschwemmen und Entwässern helfen, beispielsweise der Spargel. Auch kaliumhaltige Le-bensmittel wirken entwässernd: Kartoffel, Chicoree, Fenchel, Spinat, Frühlingssalate wie Rucola oder Postelein, und auch viele Küchenkräuter: Kapuzinerkresse, Estragon, Dill und Liebstöckel können auch bei einer Entschlackungskur helfen, wie auch ein Tee aus Brennnesselblättern.

Luise Rinser

(Deutsche Schriftstllerin) »Es wird lange dauern, bis die Menschheit begriffen hat, dass nicht nur die Völker der Erde ein Volk sind, sondern dass Menschen, Pflanzen und Tiere zusammen ‘Reich Gottes’ sind und dass das Schicksal des einen Bereichs auch das Schicksal des andern ist.“