Eine Veganerin als Praktikantin im Schlachthof
Nach unserem Bericht in Nr. 2/05 hat folgender Artikel einer anderen Praktikantin die Redaktion erreicht:
Am Ende einer Straße stehen Gebäude, die das Ende vieler Leben bedeuten. Leider hatte kein Tier, das hierher kommt, je ein natürliches Leben, und keines ist eines natürlichen Todes gestorben. Willkommen im Schlachthof!
Das Ende kommt grausam und schnell und bedeutet viel Geld für skrupellose Geschäftsmänner. Nicht nur das Ende ist grausam, das ganze Leben war nur darauf programmiert, für die Fleischindustrie zu sterben. Diese Rinder werden von Geburt an auf ihren grausamen Tod vorbereitet.
Leichengeruch liegt in der Luft und deutet auf Unheilvolles hin. Ich passiere das Tor und gehe in die Halle zu den Umkleiden, werde in einen Plastikkittel "eingepackt", der wie eine Zwangsjacke anmutet, ziehe die "Praktikanten-Gummistiefel" an, meine eigenen Vinylhandschuhe und bekomme eine Haube auf den Kopf. Wir treffen hier zur "Fleischbeschau" am späten Vormittag ein; zu dieser Zeit sind die Tiere schon in die Nebenhalle eingefahren worden, so bekommt man von den Augen, die vor Todesangst geweitet sind, nichts mehr mit.
In diese Halle werden die Rinder nach ihrem Transport getrieben - in die Tötungsbucht. Dort zertrümmert ein Bolzenschuss direkt in das Dreieck zwischen Augen und Oberkopf ihren Kopfknochen und explodiert in ihrem Hirn. Somit sind die Tiere hirntot, das Herz muss ja noch schlagen, damit es gut ausblutet.
Wannen sind untergestellt - es soll ja alles verwertet werden. Gleich nach dem Ausbluten werden die Rinder an ihrer Achillessehne am Schlachterhaken aufgehängt. Diese Fakten werden mir anschaulich erzählt - ertragen hätte ich das direkte Dabeisein nicht. In der nächsten Halle kommen die Körper über ein Laufband rein. Man muss jetzt aufpassen, dass einem keine Körper oder Schlachterhaken an den eigenen Kopf schlagen. Beim ersten Blick in diese Halle steckt mir ein Kloß im Hals. Wie können Menschen nur so gefühllos sein, ein derartiges Massaker zu veranstalten, es als völlig normal ansehen und es auch noch legal ausüben dürfen? Diese Skrupellosigkeit und Geldgier macht mich sprachlos.
Mein erster Gedanke: Rausrennen und heulen - aber ich bin mir sofort darüber im Klaren, dass nicht ich für dieses Massaker verantwortlich bin! Jedoch: Wer noch Fleisch isst, sollte sich schämen, für so etwas verantwortlich zu sein!
Körper und Köpfe kommen über das Laufband getrennt rein, beide werden gehäutet; die Klauen fehlen bereits. Ihre Beine werden festgekettet, die Haut von Maschinen und Männern abgezogen; diese fährt über ein Laufband nach draußen in einen großen Container für die lederverarbeitende Industrie. Man tritt in Blutlachen, überall spritzt Blut, kleine Fleischstücke fliegen durch die Gegend, denn "Abfall" wird in bestimmte Behälter geworfen und landet auch manchmal daneben.
Alles wird getrennt: Zwerchfell, Niere oder Leber - je nachdem, an welche Industrie die Teile wenig später geliefert werden. Der ohrenbetäubende Lärm der Maschinen erfüllt den Raum, und man muss sich anschreien, wenn man miteinander reden will. Hier kann man leicht schwerhörig werden. Der erste Aufschnitt: Die Innereien fallen auf Laufbänder, von Luftröhre bis Leber auf eines, vom Mägen / Darm bis Rektum auf ein anderes. Urin fließt heraus, auf das Laufband - der Kot wird später noch als Dünger gesammelt. Das Magen-Darm-Geschlinge fällt vom Laufband. Nun zieht sich zusätzlich zu den Blutlachen noch eine Urinlache über den Boden.
Ich stehe am Laufband, wo das Zwerchfell zur Untersuchung rausgeschnitten und das Herz aufgrund der Finnenschau eröffnet wird. Hinter mir fahren die Laufbänder mit abwechselnd je einem Kopf an den Haken und den oberen Eingeweiden von Zunge, Luftröhre, über Lunge, Herz, bis zu Leberteilen. Die gesamte Leber geht in separate Wannen, wird dann zum Abtropfen aufgehängt. An einem Kopf zucken die Muskeln, denn der Zelltod setzt ja erst später ein.
Das Leben beginnt, indem alle Zellen gleichzeitig anfangen zu arbeiten, beim Tod sterben die Zellen nacheinander - jede für sich...
Das tote Fleisch ist noch warm, und es kommt einem hoch, wenn man denkt, dass die Tiere kurze Zeit vorher noch lebendig waren und nur aufgrund der Nachfrage des Verbrauchers jetzt hier als Leichen hängen.
Inzwischen bin ich von oben bis unten mit Blut bespritzt und gehe zum Laufband, wo die Därme landen. Hier wird auch die Leber auf Parasiten untersucht. Einen Leberegel haben wir gefunden. Er ist grün und läuft über den Finger, sich schmal machend, damit er durch die Gallengänge passt. Er lebt noch - welche Ironie...
In einer anderen Ecke die Köpfe; blutüberströmt strecken sie ihre Zungen raus - sie werden in eine Maschine gesteckt und von der Haut getrennt. Das Hirn fehlt bereits, es gilt als Gefahrengut seit BSE und wird vernichtet. Die Augen werden rausgeschnitten, ein Teil des Hinterkopfes wird entfernt. Gegenüber setzt ein Mann auf einem Hydraulikrost eine riesige Elektrosäge an und zerteilt den äußeren Rest des Rinderkörpers. Ein Rind wird entdeckt, das nicht als Lebensmittel zugelassen werden kann - es hatte wahrscheinlich einen Infek-, mit angeschwollenen Lymphknoten, einem dicken Knie - es wird ausgesondert und mit einem Farbstift mit einem Dreieck versehen. Die Innereien sind allerdings schon über die Laufbänder gegangen und gelangen infiziert in den Handel...
Sind die Rinder gesund und werden zugelassen, bekommen sie Stempel auf jede Hälfte und werden am Laufband weiter gefahren.
Eine Industrie des Grauens, mit Männern, die von oben bis unten mit Blut verschmiert im Pausenraum sitzen und frühstücken. Alles ist völlig normal für sie, sie haben keinen Respekt vorm Leben. In den Hallen unter ihnen wird getötet, gemordet oder einfach "geschlachtet", wie sie es nennen.
Ich habe alles gesehen und gehe an die frische Luft. Es ist mild, die Sonne scheint, ich amte tief durch. Die armen Tiere werden nie wieder das Sonnenlicht sehen, werden nie wieder atmen können... Nur nicht daran denken. Ich gehe nicht wieder rein, habe den Kittel geputzt. Richtig schrubben musste ich ihn, um ihn von dem ganzen Blut und den draufklebenden Fleischstücken zu befreien. Habe meine Hände gewaschen und desinfiziert, bin aber trotzdem zu Hause gleich unter die Dusche gegangen und habe auch die Haare gewaschen. Es fühlt sich völlig eklig an, mit fremdem Blut besudelt zu sein.
In der Halle nebenan werden die Mägen für die Hundefutter-Industrie bearbeitet und die Därme für die "Naturdarm-Industrie". Alles wird verwertet, bis auf das "Muh"!
Und genau das sollte uns in den Ohren klingen und daran erinnern, dass Kühe nicht hinter einer Theke liegen sollten!!!
Es ist Freitag Mittag, gleich ist Wochenende. Auf dem Hof stehen die LKWs und fahren weg - nun sind sie leer...
Ein Aufkleber prangt hinten drauf: "Artgerechte Tiertransporte, dem Tierschutz verpflichtet"... Welche Ironie ...
Ein makabrer Praktikumstag ist zu Ende.
Tina Ehmke
Liebe Leser,
bitte senden Sie uns solche und ähnliche Erfahrungen. Wir finden, durch das Aufdecken und veröffentlichen der Realität in den Schlachthäusern kommen sicher viele Noch-Fleischesser zur Besinnung. Dies zeigen die Rückmeldungen zu diesen Artikeln.
Dieses barbarische Verbrechen an den Tieren wird vor der Öffentlichkeit verborgen, damit der Zyklus der Grausamkeit immer weitergehen und von niemandem gestört werden kann - denn es geht um viel Geld, also um wirtschaftliche Interessen.
Doch letztlich hat der Konsument das Geschehen in der Hand und bestimmt mit seinem Konsumverhalten die Nachfrage.


















