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Freiheit für Tiere

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Natalie Portman ist einer der seltenen großen Stars, der auf „Hollywoods Zirkus der Eitelkeiten“ verzichtet. So hatte ihr Psychologiestudium an der Elite-Uni Harvard absoluten Vorrang. Gedreht wurde - auch für die drei „Star Wars“-Filme - nur in den Semesterferien.

Diese Haltung gegen den Strom zeigt sich auch in ihrer Einstellung zur Tierwelt. „Ich bin Vegetarierin aus Respekt vor den Tieren.”

FRAGE: Natalie, im Alter von 8 Jahren hörten Sie aus Gewissensgründen auf, Fleisch zu essen. Warum?

Natalie Portman:
Ich ging mit meinem Vater zu einer medizinischen Konferenz, bei der Laserversuche an einem Huhn gemacht wurden. Ab diesem Zeitpunkt dachte ich auch daran, dass Tiere getötet werden, um Fleisch herzustellen. Eigentlich war mir schon länger klar, dass Tiere getötet werden und wir sie dann essen. Anfangs glaubten meine Eltern, dass dies nur eine Phase sei.
Mit acht Jahren habe ich mich entschlossen, kein Fleisch mehr zu essen. Aus Respekt vor den Tieren. Alle Lebensformen verdienen gleichen Respekt. Ich trage auch kein Leder. Diese Schuhe hier (zeigt auf ihre hochhackigen schwarzen Lackpumps) von Stella McCartney sind aus irgendeinem synthetischen Material.

FRAGE: Sie haben bereits mit 11 Jahren im Film „Leon - der Profi“ mitgespielt und wurden dafür unter 2000 Bewerberinnen ausgewählt, obwohl Sie noch nie Schauspielunterricht hatten. Wie war das für Sie?

Natalie Portman: Ich ging zu diesem Film und wusste nicht, was ich tat - aber ich war 11, und das war, bevor diese ganze Pubertät einsetzte. Ich stand auf der Bühne, nicht selbstbewusst, dafür offen und frei, und es machte viel Spaß. Ich habe Luc vertraut, und glücklicherweise sammelte ich meine ersten Erfahrungen mit einem so guten Direktor. Luc hat mir den Weg gezeigt.

FRAGE: Überraschenderweise traten Sie 1997 von der Rolle in "Der Pferdeflüsterer" zurück, um stattdessen am Broadway "Das Tagebuch der Anne Frank" aufzuführen. Warum?

Natalie Portman:
Ich habe mich entschieden, dieses Stück zu spielen, weil ich überzeugt bin, dass Menschen immer wieder an Leid erinnert werden müssen. Wir haben hungernde Menschen, kriegzerrissene Länder und Kinder, die nicht die Chance haben, die Welt so zu gestalten, wie sie es sollten. Dies klingt jetzt sicherlich klischeehaft und idealistisch, ich weiß, doch so ist die Welt nun mal, und Leute sollten daran erinnert werden.
Außerdem habe ich einen persönlichen Bezug zu diesem Stück, weil meine Großeltern, mein Großonkel und einige andere Familienmitglieder im 2.Weltkrieg von Nazis ermordet wurden. Ich denke, dass die Welt erkennen und verstehen muss, wie unnütz Hass und Rassismus sind...

FRAGE: Kannten Sie die Geschichte von Anne Frank schon vorher?

Natalie Portman:
Als ich 12 war, drehte ich in Paris "Léon - der Profi". Ich lebte dort mit meiner Mutter; mein Vater arbeitete, also kam er nur alle paar Wochen zu Besuch. Ein Wochenende waren wir dann in Amsterdam und besichtigten Anne Franks Haus. Dort kaufte ich eine Ausgabe ihres Tagebuches und begann es zu lesen, weil mein Vater es vorschlug. Ich war so vernarrt in ihr Werk, dass ich die folgende Woche nichts anderes tat, als das Buch zu Ende zu lesen. Ich hörte nicht, was die anderen sagten. Ich weinte die ganze Zeit.
Für alle, denen das nichts sagt: Anne Frank war ein 13-jähriges jüdisches Mädchen, das in Holland lebte, als Hitler ihrer älteren Schwester Margot den Befehl gab, dass sie und ihre Familie in ein Arbeitslager kommen sollten. Die Familie hatte aber bereits Erfahrungen mit Antisemitismus gemacht, und dies war der entscheidende Grund, sich zu verstecken. Sie lebten 2 Jahre lang in einem geheimen Hinterhaus im Warenlager ihres Vaters. In dieser Zeit führte Anne Tagebuch, nicht nur über die Entwicklungen des Krieges, sondern auch über das Leben, die Liebe und ihre eigene Entwicklung.
Es ist das beste Buch, das ich je gelesen habe, da es ein wahres Tagebuch ist. Es gibt Einblick in die Gefühlswelt, und mir war, als ob mich jemand verstanden hätte. Anne Frank schrieb über Dinge, die jeder Teenager durchleben muss, doch niemals so öffentlich erzählt. Am Ende werden die Familie und die anderen Menschen festgenommen und in Konzentrationslager gebracht. Dieses schreckliche Ende macht das Tagebuch noch bedeutender. Annes Glaube an die Menschenwürde, auch wenn sie krank war und erkältet auf dem Dachboden hauste - weil sie jüdisch war -, hatte einen enormen Einfluss auf mich. Sie glaubte an das Gute, und sie glaubte, dass Menschen ein gutes Herz haben, selbst wenn alles in die andere Richtung zeigte.

FRAGE: Sie haben die Rolle der Anne Frank auch am Broadway über 200-mal auf der Bühne gespielt. Verändert einen eine solche Rolle auch perönlich?

Natalie Portman:
Anne Frank gespielt zu haben, war eine sehr gute Erfahrung, und es hat mich wirklich verändert. Vom Anfang bis zum Ende bin ich gewachsen. Es war perfekt, da ich vom Mädchen zur jungen Frau wurde - dieselbe Entwicklung, wie Anne sie in diesem Stück durchmachte.

FRAGE: Die Rolle als Prinzessin Amidala in „Star Wars“ hat Sie weltberühmt gemacht.

Natalie Portman:
Die Sache, vor der ich am meisten Angst hatte, begann zu passieren. Leute hatten mehr Interesse an meinem Privatleben als an meiner schauspielerischen Leistung. Ich habe immer versucht, die Öffentlichkeit von meinem Privatleben fernzuhalten, doch jetzt wird es jede Woche schwerer.

FRAGE: Was sind die Auswirkungen eines solchen Erfolges?

Natalie Portman:
Beruflich gesehen erhöht die Teilnahme an so einem Erfolg den eigenen Marktwert. Ab sofort bin ich ein Produkt, das es ermöglicht, einen Film leichter zu verkaufen. Nicht zuletzt deshalb konnte ich diesen Sommer einen unabhängigen Film machen: Als ich die Rolle annahm, wurde er finanziert. Persönlich gesehen hat Star Wars die Natur meiner Publicty und die meiner Fans geändert: Jetzt wird mir von 10- bis 12-jährigen Kindern mehr Interesse entgegengebracht als von reifen Männern, und ehrlich gesagt, finde ich das besser...

Natalie Portmann

(Filmschauspielerin) »Mit acht Jahren habe ich mich entschlossen, kein Fleisch mehr zu essen. Aus Respekt vor den Tieren. Alle Lebensformen verdienen gleichen Respekt. Ich trage auch kein Leder.«

FRAGE: Sie sind sehr fleißig und studieren sogar neben ihrer Schauspielerei an der Harvard Universität Psychologie. Warum haben Sie das letzte Semester in Jerusalem studiert?

Natalie Portman:
Im Ausland hört und liest man viele unterschiedliche Dinge über den Konflikt. Ich wollte ihn genauer studieren. Es ist nicht so, dass ich jetzt profunde Kenntnisse über das Thema besitze - es war ja nur ein Semester. Ich habe etwas Arabisch, etwas Geschichte des Islams und natürlich Hebräisch studiert. Das war sehr interessant, aber am meisten habe ich durch das Leben hier gelernt, indem ich Menschen traf und mit ihnen redete. In Jerusalem kann man sehen, wie alle miteinander leben und miteinander klarkommen.

FRAGE: „V for Vendetta“ heißt der neue Action-Film der „Matrix“-Regisseure, in dem Sie eine Hauprolle spielen. Können Sie etwas näher beschreiben, wovon dieser Film handelt?

Natalie Portman:
Der Film handelt von der Macht des Volkes und dessen Möglichkeit, eine aktive Rolle zu spielen, wenn die Regierung nicht für es sorgt; das Volk hat das Recht zu revoltieren, seinen Gedanken Gehör zu verschaffen und seine Meinung auszusprechen. Er handelt von einem sehr unterdrückerischen Regime und davon, dass eine Regierung sich vor dem Volk fürchten muss, und nicht das Volk vor der Regierung.

FRAGE: Sie essen kein Fleisch, auch keinen Fisch, also überhaupt keine Tiere, weil Sie die Tiere lieben. Sie essen auch keinen Käse, weil das Lab aus Kälbermägen gewonnen wird, und keine Gummibärchen, weil auch darin tierische Stoffe enthalten sind. Sie rauchen nicht. Sie trinken nicht. Sie haben den großen Film „Der Pferdeflüsterer“ ausgeschlagen, weil Sie Anne Frank spielen wollten. Von Ihrem letzten Film „Hautnah“ haben Sie Ihre Nacktszenen nachträglich wieder rausschneiden lassen. Ist das echt, oder wollen Sie ein Image vom „guten Mädchen“ aufrechterhalten?

Natalie Portman:
Nein, nein, das ist gerade, was ich nicht will... Als ich klein war, habe ich gesehen, was einige erwachsene Schauspieler und Schauspielerinnen gemacht haben, und das hat mich geprägt. Ich weiß nicht, ob ich andere überhaupt beeinflussen kann, aber wenn ja, dann will ich sie nicht ermuntern, Alkohol zu trinken. Ich würde sie lieber ermuntern, gute Dinge zu tun, ein guter Mensch zu sein.

Filmbiografie

Natalie Portmann spielte:
1994 Mathilda in „Leon, der Profi“
1995 Lauren in „Heat“
1995 Nina in „Developing“
1996 Marty in „Beautiful Girls“
1996 Laura in „Alle sagen: I love you“
1996 Taffy in „Mars Attacks!“
1997 Anne Frank in „Das Tagebuch
der Anne Frank“
1999 Amidala in „Star Wars I“
1999 Ann August in
„Überall, nur nicht hier“
2000 Novalee Nation in
„Wo dein Herz schlägt“
2001 Nina Michailowna Sarjetschnaja
in „Die Möwe“
2002 Amidala in „Star Wars II“
2004 Francine in „True“
2004 Sara in „Cold Mountain“
2004 Samantha in „Garden State“
2005 Alice in „Hautnah“
2005 Amidala Skywalker in „Star Wars III“
2005 Evey Hammond in „V für Vendetta“
2005 Rebecca in „Free Zone“

www.nataliemania.net / natalieportman.com

Quellen: 1 Time Out New York #114 11/97 2 Vogue [Australia] 7/1999 3 Seventeen Magazine 1/1998 4 Jane Magazine 9/1999
5 Calgary Sun 5/1999 6 LA Libre Belgique 2/2000
7 VforVendetta.com 8 Nana, 25. Februar 2005