Patchwork
Kunst aus Stoffen
Marianne Meidl
(links) leitet das Patchwork-Atelier „Mode mit Freude“
Veg: Frau Maidl, Sie leiten ein Patchwork-Atelier in Altfeld, das bekannt ist für seine
außergewöhnlichen Kreationen. Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?
Marianne Maidl: Ich habe früher mit Kindern gearbeitet und sie in Farben- und Formensinn gefördert. Dabei haben die Kinder Gestalten und Nähen gelernt.
Veg: Sind Sie Schneiderin von Beruf?
Marianne Maidl: Ich habe die Gesellenprüfung abgelegt. Begonnen habe ich mit Herrenwesten. Leider fehlt den Herren meist der Mut zu farbenfroher Kleidung. Deshalb erweiterte sich mein Schneider-Repertoire um den Bereich der Damenmode mit der Patchworktechnik. Zuerst schneiderten wir Patchwork-Jacken, Westen und Kleider in Leinen. Später kamen dann Baumwolle, Hanf und Kunstseide hinzu.
Veg: Wie entsteht ein Patchwork-Teil? Wird vorher eine Skizze erstellt?
Marianne Maidl: Ausschlaggebend ist der Stoff. Zuerst legen wir fest, ob eine Jacke, ein Kleid oder etwas anderes erstellt werden soll. Die Auswahl an Stoffen oder Stoffresten inspiriert mich dann zu Farbkombinationen und Modellen.
Es gibt verschiedene Stilrichtungen im Patchwork: Das flächige Patchwork, das lineare, das grafische und noch eine ganze Reihe anderer Stilrichtungen. Das hat nichts mit dem herkömmlichen Patchwork zu tun. Bei der Mode muss die Fantasie, das Modell und der Stoff auschlaggebend sein. Der Stoff bestimmt die Formen: Fließende Muster verlangen nach fließenden Linien, und ein lineares Stuffmuster verlangt wieder nach grafischen Linien.
Die Stoffreste breite ich aus, dann sortiere ich die Stoffballen. Wieviel brauche ich für das Vorderteil, für den Rücken, für die Ärmel? Nach freiem Empfinden stelle ich dann die verschiedenen Stoffe zusammen, und zwar alle fünf Teile: zwei Vorderteile, den Rücken und die Ärmel. So stelle ich sicher, ob es eine harmonische Kleidung wird und nicht irgendwo eine Farbe zu stark dominiert. Dann erst kommt es zum Zuschnitt. Es ist sorgfältigstes Arbeiten wichtig, damit Abnäher, Ausschnitt und Kragen zusammenpassen. Die besondere Spezialität unseres Ateliers ist das Patchwork mit Bändchen. Das gibt es nur bei uns. Wir nähen jedes Stück Stoff mit Satinbändchen zusammen. Dadurch entsteht ein neuer Effekt. Es sieht nicht mehr gestückelt aus, sondern wird dadurch ein harmonisches Ganzes. Es entsteht ein filigraner Charakter. Auch gleiche Farben können zueinandergefügt werden. Durch das Bändchen entsteht trotzdem der typische Patchwork-Charakter.
Veg: Die Bilder, die wir auf diesen Seiten zeigen, sind ja etwas Besonderes und zeigen Patchwork-Kleider im Sari-Look.
Marianne Maidl: Hier sind es vor allem die zierlichen Goldmuster der Stoffe, die in Verbindung mit Goldbändchen zur Geltung kommen. Es soll kein Kunterbunt, sondern harmonisch sein, z. B. Ton in Ton. Mit Baumwolle wird anders gearbeitet. Da wird mehr auf Kontraste und Farbabstufungen geachtet.
Veg: Welche Patchwork-Modelle fertigen Sie noch in Ihrem Atelier?
Marianne Maidl: Wir schneidern so ziemlich alles. Wir fertigen in erster Linie Ja-
cken, weil sie hervorragend zu Hosen und Hosen-Anzügen kombiniert werden können. Dann fertigen wir natürlich Abendkleider, Longmäntel, Westen, Kombinationen mit Rock und Oberteil, die ganze Modepalette. Wobei wir uns noch scheuen, Hosen anzufertigen. Diese sind als Gebrauchsgegenstand überall günstig zu kaufen und nicht für unsere Stoffe geeignet.
Patchwork sollte mit einem unifarbenen Grundteil kombiniert werden. Wenn Sie beides, Hose und Jacke, in Patchwork tragen, wirkt es oft zu bunt. Patchwork braucht einen unifarbenen Rahmen - wie jedes Bild: z.B. einen unifarbenen Hosenanzug zu einer Patchwork-Jacke; ein unifarbenes Kleid mit einer Patchwork-Jacke; oder ein Patchwork-Kleid und dazu einen unifarbenen Mantel. So wirkt Patchwork - kein Patchworkteil soll einem anderen Patchworkteil die Aufmerksamkeit nehmen.
Veg: Woher kommen Ihre Kunden?
Marianne Maidl: Unsere Kunden kommen aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland. Wir gehen auf Messen und stellen bei Kunsthandwerk- und Mode-Messen aus. Dort treffen wir die Kunden, die Patchwork lieben, die uns seit Jahren kennen und für Patchwork-Mode offen sind. Wenn Sie sich heute die großen Modehäuser anschauen, finden Sie mindestens ein Patchwork-Teil in der Kollektion. Mode mit Patchwork ist in.
Veg: Machen Sie auch Modeschauen?
Marianne Maidl: Wir machen Modeschauen. Wir werden häufig im nahen Umfeld eingeladen und zu großens Verbrauchermessen. Die »Konsumenta« in Nürnberg zeigt seit Jahren unsere Patchwork-Mode. In Augsburg, in Dortmund, in Wiesbaden oder in Baden-Baden auf der Rennwoche sind wir regelmäßig dabei. Hier im Haus, im Einkaufsland, wo unser Atelier ist, veranstalten wir jährlich eine Frühjahrsmodenschau und eine Herbstmodenschau. Auch an den vier verkaufsoffenen Sonntagen und den Tagen der offenen Tür gibt es Modeschauen. Die nächsten Termine sind der 7. und 14. August und der 16. Oktober 05. Informationen gibt es unter www.einkaufsland.com (events).
Veg: Sind Ihre Unikate für einen Normalverdiener erschwinglich?
Marianne Maidl: Patchwork-Mode ist keine Mode für eine Saison. Sie ist hinsichtlich der wertvollen Stoffe und der zeitlosen Modellschnitte für Kundinnen neu günstig, die wertbeständige Mode suchen. Man kann Patchworkmodelle schon ab 200,- Euro erwerben. Es gibt auch die Möglichkeit, in unserer Schneiderei Kleidung nach Maß nähen zu lassen, sowohl in Patchwork-Optik als auch mit Unistoffen.
Veg: Welchen Service bieten Sie noch?
Marianne Maidl: Wir haben neben der Maßschneiderei auch eine exquisite Änderungsschneiderei. Dort können Sie Ihre Lieblingskleider, die Ihnen nicht mehr passen, Ihrem jetzigen Typ und den derzeitigen Modeeinflüssen entsprechend ändern lassen.
Veg: Vielen Dank für das Gespäch!
Fotos
Mode aus Freude
Patchwork Atelier
Max-Braun-Str. 4
97828 Marktheidenfeld
Tel. 09391/50 41 72
eMail: info@einkaufsland.com




























