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Silke Dziallas

Dipl. oec. troph.

Veg: Frau Dziallas, gegenwärtig jagt ein Fleischskandal den anderen. Es vergeht
keine Woche, in der die Bevölkerung nicht durch eine Horrormeldung oder eine drohende Gefahr aufgeschreckt wird. Das ist wohl schon normal.

Silke Dziallas: Ja, leider ist das normal. Es liegt in der Natur der Sache. Fleisch ist - auch wenn das manchem makaber erscheinen mag - ein Stück Leiche, das sich im Prozess seiner Verwesung befindet. Durch Pökeln, Kühlen, chemische Konservierungsmittel oder durch schnelles Zubereiten wird dieser Verwesungsprozess verlangsamt bzw. gestoppt, damit das Material überhaupt genießbar ist. Dass beim Tötungsvorgang oder im Umgang mit totem Material unerwünschte Nebeneffekte eintreten, damit muss man rechnen. Fleisch ist ein Risikoprodukt.

Veg: Ein Risiko wofür? Für die Gesundheit des Konsumenten?

Silke Dziallas: Richtig. Der Verbraucher muss, wie auch beim Konsum anderer Genussmittel wie Alkohol oder Tabak, die Risiken in Kauf nehmen. Wer raucht oder übermäßig trinkt, weiß auch, dass er damit seine Gesundheit gefährdet. Über die Gefahren des Fleischkonsums jedoch wird kaum öffentlich gesprochen, und das ist der eigentliche Skandal. Wenn bei der Fleischproduktion einmal eine "Panne" passiert, die an die Öffentlichkeit gelangt - denken wir nur an den jüngsten Fleischskandal, bei dem Schlachthausabfälle umetikettiert wurden, um sie in den für Menschen angeblich genusstauglichen Nahrungsmittelkreislauf zu führen -, da spricht dann plötzlich jeder von einem Skandal. Doch die meisten Menschen wissen gar nicht, was Tag für Tag hinter den verschlossenen Türen der Schlachthöfe und der fleischverarbeitenden Betriebe abgeht. Und sie wissen auch nicht, welche Auswirkungen auf die Gesundheit der Fleischkonsum hat. Aber wie gesagt, das muss eben derjenige in Kauf nehmen, der das Genussmittel Fleisch zu sich nimmt.

Veg: Für Zigaretten schreibt die EU einen gut sichtbaren Warnhinweis vor, dass Rauchen die Gesundheit gefährdet, Krebs auslösen und mit dem Tod enden kann. Denken Sie, für Fleisch wären solche Warnhinweise auch angebracht? Oder ist das übertrieben?

Silke Dziallas: Nein, das ist durchaus nicht übertrieben. Man weiß mittlerweile, dass sämtliche Zivilisationskrankheiten, die heute zunehmend auftreten, wie z.B. Krebs, Osteoporose, Gicht, Diabetes, Rheuma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, mit dem Fleischkonsum in direktem Zusammenhang stehen. Fleischkonsum erhöht das Risiko für diese Krankheiten erheblich. Daher wären Warnhinweise auf Fleischprodukten durchaus angebracht. Denn es denken leider immer noch sehr viele Menschen, dass Fleisch ein Stück Lebenskraft sei. Doch, wie die Autorin M. L. Holzer-Sprenger sagt: "Fleisch ist ein Stück Lebenskraft, solange es lebt."

Veg: Wenn Fleisch ein Risikofaktor für die Gesundheit ist, wird ja durch dessen Konsum auch das Gesundheitswesen sehr belastet. Gerade in der heutigen Zeit, in der überall das Geld fehlt, ist das eine fatale Sache.

Silke Dziallas: Ernährungsabhängige Krankheiten, die in der Regel mit dem Fleischkonsum in Zusammenhang stehen, kosten das deutsche Gesundheitswesen jährlich zwischen 60 und 80 Milliarden Euro. Die logische Konsequenz daraus wäre, dass z.B. Fleischesser höhere Krankenkassenbeiträge zahlen. Oder anders herum: Die Vegetarier zahlen niedrigere Sätze, denn sie ernähren sich gesünder, sind seltener krank und sparen so Geld für die öffentlichen Kassen.

Veg: Bei dem vorhin erwähnten Fleischskandal ging es ja um Schlachthausabfälle, die zu Tierfutter verarbeitet werden sollten, aber durch kriminelle Praktiken dem menschlichen Verzehr zugeführt wurden. Lässt sich ein solcher Fall nicht durch Lebensmittelkontrollen verhindern?

Silke Dziallas: Zunächst muss betont werden, dass dieser so genannte Fleischskandal kein Einzelfall, sondern eher ein Dauerzustand ist, wie aus einem Gespräch eines Insiders mit der Zeitschrift stern hervorgeht. Dieser gab an, dass über 70% der Schlachthausabfälle, wie z.B. Schweineschwarten oder Hühnergerippe, letztlich wieder in der menschlichen Nahrungsmittelkette landen. Das Ganze hat also System und ist in Insiderkreisen wohl bekannt. Man fragt sich: Wie kann das sein? Deutschland hat doch ein angeblich so strenges Lebensmittelrecht mit vielen gut funktionierenden Kontrollbehörden. Die Antwort ist makaber und spricht für sich: Im stern Nr. 42 vom 13.10.2005 sagen Beamte aus, dass die Kontrollen in solchen Betrieben oft nachlässig durchgeführt werden oder ganz ausbleiben, weil die Geschäftsunterlagen derart mit verwestem Fleisch behaftet sind und "einen so brechreizfördernden Geruch ausströmen, dass sie gar nicht eingesehen werden können". Da muss man sich nicht wundern, wenn kaum kontrolliert wird und wenn letztlich Gerippe, Kröpfe, Schwarten, Köpfe, Schwänze, Speiseröhren, Innereien und auch Leichenteile von kranken Tieren in den Fleischfüllungen von Tortellini und Ravioli, in Hühnchen-Nuggets, Hühnerbrühe oder in allen Sorten von Wurst landen. Die verdorbenen Schlachthausabfälle finden sich aber auch in aus tierischem Material gewonnener Gelatine, in Joghurt und Desserts, im Tortenguss und in der Götterspeise; in vielen Getränken, in so manchem Wein, in Margarine, Gummibärchen, Schokoküssen und Schokoriegeln, in glasierten Kühltorten und in Tiefkühlpizzen, in Nahrungsergänzungen und vielem mehr.

Veg: Das ist ja unglaublich! Es wird einem ganz übel bei dem Gedanken, dass all diese verdorbenen, verwesten, stinkenden Schlachthausabfälle in unsere Nahrungsmittelkette gelangt sind. Wie kann man da in den Supermärkten überhaupt noch etwas mit gutem Gefühl kaufen? Kann man denn den Kauf von Lebensmitteln, die mit Kadaverteilen kontaminiert wurden, überhaupt vermeiden?

Silke Dziallas: Die Gelatinehersteller, da bin ich mir ziemlich sicher, werden wohl kaum ihre eigenen Produkte kaufen, da sie ja wissen, wie und aus welchem Material diese produziert werden. Ein italienischer Gelatinehersteller z.B. sagte aus, dass die Mitarbeiter seiner Firma sich oft über die schlechte Qualität der zu verarbeitenden Ware, also der Schlachthausabfälle, beklagt haben, denn sie sei oft "ranzig", "verdorben" und in "schmutzigen Boxen" geliefert worden, und es habe bereits der "Fäulnisprozess" eingesetzt. - Dennoch wird dieses abscheuliche Material weiter zu Gelatine verarbeitet. Vermeiden kann man den Kauf solcher Lebensmittel nur, wenn man sich vegetarisch ernährt und auch weniger zu Fertigprodukten greift, sondern z.B. wieder selbst kocht.

Veg: Wenn man das so hört, ist es eigentlich gar nicht mehr möglich, einfach irgendwo einzukaufen, denn man kann ja nicht erkennen, was wo drin ist.

Silke Dziallas: Diese fatale Situation erfordert tatsächlich vom Verbraucher ein Umdenken und vielleicht ein Ändern der Einkaufsgewohnheiten. Man muss sich schon die Mühe machen, saubere, ehrliche Lebensmittelquellen zu finden, wo man einwandfreie und hochwertige Lebensmittel erhält. Dabei erachte ich es für wichtig, dass man die Zutaten und die Herstellung lückenlos nachvollziehen kann, denn dann braucht man sich auch nicht zu sorgen, ob nicht doch an irgendeiner Stelle zweifelhafte Hilfsmittel beigemischt werden. Viele Konsumenten lassen sich übrigens heute ihre Lebensmittel nur noch per Versand nach Hause schicken, weil ihre vertrauenswürdige Lebensmittelquelle nicht so leicht erreichbar ist. Mancher denkt vielleicht, das sei eine ungewöhnliche Art, einzukaufen; aber für wirklich gesunde Lebensmittel stellt man sich gerne um. Wenn man auf unbedingte Sicherheit Wert legt, sind Produkte einer Landwirtschaft zu empfehlen, die mit dem tierischen Kreislauf gar nicht in Berührung kommt, weil sie für die Bodendüngung weder Mist noch Gülle, noch andere Mittel tierischer Herkunft verwendet. Dies ist z.B. beim veganen oder Friedfertigen Landbau der Fall. Also noch einmal: Wer unbedenkliche Lebensmittel bevorzugt, muss sich die Mühe machen, die jeweiligen Einkaufsquellen zu erschließen.

Veg: Unlängst konnte man in der Presse lesen, dass der BSE-Erreger auch vom Menschen in das Tier gelangt sein könnte. Wie ist das möglich?

Silke Dziallas: Britische Wissenschaftler vermuten, dass die BSE-Krankheit über das im Tierfutter enthaltene Tiermehl vom Menschen auf das Tier übertragen wurde. Man staunt jetzt vielleicht und fragt sich: Was hat denn der Mensch mit dem Tiermehl zu tun? In Indien, vorzugsweise am Ganges, sammeln Bauern nicht nur tierische Leichteile, sondern auch menschliche Leichenteile als Nebenerwerb. Am Ganges werden viele Flussbestattungen durchgeführt und Leichen, die nur zum Teil verbrannt wurden, einfach ins Wasser geworfen. Umweltschützer haben z. B. in nur zwei Tagen an einem Abschnitt des Ganges von 10 km Länge 60 Menschenleichen herausgefischt. Es wird nun vermutet, dass Bauern über viele Jahre nicht nur tote Tiere aus dem Ganges gefischt haben, um sie gewinnbringend an Tierköperverwertungsanlagen zu verkaufen, sondern auch Menschenleichen.
Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre erkrankten die ersten Rinder an BSE. Genau zu dieser Zeit sind Hunderttausende verwesender Tierkadaver aus Indien mit dem Schiff um den halben Globus nach England transportiert worden - der Rohstoff für die dortige Tiermehlproduktion. Von einer Forschergruppe wird nun angenommen, dass sich darunter auch Leichen von Menschen befanden, die mit der Creutzfeld-Jakob-Krankheit infiziert waren, und dass sich die Rinder an diesen im Futter verarbeiteten menschlichen Leichen infiziert und BSE entwickelt haben. Nach Auffassung dieser Wissenschaftler haben sich die Tiere also am Menschen angesteckt - und der Erreger landete schließlich über das Fleischessen wieder im Menschen.
Dazu ist noch zu ergänzen, dass der Skandal um BSE noch lange nicht vorbei ist, nur berichten die Medien kaum mehr darüber. Wöchentlich erkranken in Deutschland und in anderen europäischen Ländern Tiere an BSE - wenn auch still und heimlich -, und es ist noch völlig offen, wie viele Menschen sich infizieren und wie viele daran sterben werden.

Veg: Ein Skandal ist eine kriminelle Begebenheit, die ans Licht der Öffentlichkeit gelangt. Kann es sein, dass vieles passiert, das nie von den Zeitungen aufgegriffen wird?

Silke Dziallas: Das ist richtig. Ein Skandal, der von den Medien nie aufgegriffen wurde, ist z.B. das Thema Toxoplasmose. Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, die durch den Parasiten Toxoplasma gondii übertragen wird und sich im Gehirn des Menschen festsetzt. Der Mensch infiziert sich über halbgegartes und rohes Fleisch. Man merkt die akute Erkrankung kaum, hat vielleicht Erkältungs- oder Grippean-zeichen, die nicht weiter schlimm sind. Dies ist auch einer der Gründe, weshalb über diese Krankheit in der Presse nicht berichtet wird, obwohl in Deutschland bereits über 30% der Menschen von diesem Parasiten befallen sind. In Frankreich, wo viel rohes Fleisch in Form von Tartar gegessen wird, haben sogar 80% der Menschen diesen Parasi-ten im Gehirn. Ist man einmal von ihm befallen, kann man kaum etwas dagegen tun. Unter einer einzigen Voraussetzung werden Menschen in Deutschland auf Toxoplasmose untersucht: im Fall einer Schwangerschaft. Denn falls sich die Mutter in der Zeit der Schwangerschaft infiziert, kann das ungeborene Kind erhebliche gesundheitliche Schäden erleiden: Gehirnschädigungen, Missbildungen, Augenprobleme bis hin zur Blindheit, epileptische Anfälle, Hörschädigungen und Entwicklungsstörungen. Schwangere werden zwar darauf hingewiesen, nicht zu rauchen und keinen Alkohol zu trinken. Doch vor Fleischessen wird nicht gewarnt. Die Gefahr, die von Fleisch ausgehen kann, wird einfach verschwiegen.
Skandalös ist auch das Verschweigen der mit einer Toxoplasmose-Infizierung einhergehenden Verhaltensveränderung des Menschen: Es kommt zu einer deutlich längeren Reaktionszeit, einer größeren Risikobereitschaft und dadurch zu einem fast dreimal höheren Verkehrsunfallrisiko als bei nicht Infizierten. Weitere Auffälligkeiten sind: weniger Interesse an höherer Bildung, niederer IQ, verminderte Akzeptanz moralischer Grundsätze und größere Anfälligkeit für Misstrauen, Eifersucht und Fundamentalismus. Bei einer Zoonose-Tagung am 10. September 2005 in Witzenhausen wurden zudem Studien vorgestellt, die darauf hinweisen, dass auch Schizophrenie durch Toxoplasmose ausgelöst werden könnte. Denn bei Patienten mit erstmalig aufgetretener Schizophrenie hat man deutlich erhöhte Toxoplasmose-Antiköper festgestellt.

Veg: Wenn man das hört, wird einem klar, dass der Mensch seine Krankheiten selbst verursacht. Es wundert mich nicht, dass Fleischessen in gewissem Sinne sogar Schizophrenie auslöst, denn ist es nicht schizophren, wenn Menschen ihre Haustierchen auf dem Schoß verwöhnen und zugleich ein Stück Reh, Häschen oder Ente verzehren? Und wie ist es eigentlich mit der Vogelgrippe, hat da nicht auch der Mensch seine Hand im Spiel?

Silke Dziallas: Davon muss man ausgehen. Man braucht ja nur einmal hinzugucken, wo und wie solche Epidemien entstehen. Sie entstehen dort, wo viele tausend Tiere auf engstem Raum, oft im Dunkeln und unter furchtbarsten Bedingungen zusammengepfercht leben müssen und unter solchem Stress stehen, dass sie sich gegenseitig verletzen. Diese Tierghettos mit ihrem ungesunden und unbeschreiblich grausamen Milieu sind eine Brutstätte für Keime und Bakterien. Wenn diese Erreger schließlich beim Menschen, beim Peiniger also, landen, dann wundert man sich und spricht von einem Skandal. Dann schreien die Menschen nach Impfschutz, anstatt die Ursachen zu erforschen, die doch eigentlich auf der Hand liegen; und anstatt sich selbst die Schuld zu geben und mit dieser grausamen Tierhaltung aufzuhören, lässt der Mensch den "bösen" Vogel die Zeche bezahlen: Erkrankte oder verdächtige Vögel werden zu Zigtausenden erbarmungslos und grausam getötet, z.B. in Plastiksäcken erstickt oder vergast. Und dann hört man noch Fragen wie: "Warum lässt Gott das zu?" oder: "Will Gott die Menschen bestrafen?" Will er nicht. Ist ja auch nicht nötig. Das tut der Mensch ja offensichtlich selbst ...

Veg: Also ist das nervöse Suchen nach einem Impfstoff nicht die richtige Vorgehensweise und schon gar nicht die Lösung des Problems?

Silke Dziallas: Es ist bezeichnend, dass der Mensch jetzt überstürzt versucht, sich selbst zu schützen und zu retten, anstatt nach den Ursachen zu fragen und dann gezielt zu handeln. Die Lösung liegt doch auf der Hand: kein Fleisch mehr essen, keine Tiere mehr in Tierghettos halten, sich vegetarisch ernähren, um aus diesem mörderischen Kreislauf von Gewalt und Tod auszusteigen. Die Tiere haben keine Möglichkeit, diesem Kreislauf zu entkommen. Wir Menschen könnten es aber tun: indem wir uns so ernähren, wie es der Schöpfer für uns vorgesehen hat und wie es ursprünglich in allen großen Religionen gelehrt wurde - nämlich vegetarisch. Sogar an unserem Körperbau, an unserem Verdauungssystem, an unserer Physiognomie lässt sich ablesen: Wir sind eindeutig nicht als Fleischfresser konzipiert. Da kann man nur noch sagen: Menschen, esst kein Fleisch! So erhaltet ihr die Tiere und auch euch selbst gesund.

Veg: Vielen Dank für das Gespräch.