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Vegetarisch genießen

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Einleitung Rezepte
Artikel: Fleischskandale Swedish Style Japan vegetarisch Die heiligen Hirsche Miss Schweiz Die Bishnoi Demonstration Wie viele Tiere... Vegetarische Kunst

Japan - zurück zu den Wurzeln

Über die Ernährung und Mensch-Tier-Beziehung im alten und im »modernen« Japan

"Leichenschmaus" auf japanisch

Am 20. März 2005 erschien in Japan der Tierrechts-Klassiker „Leichenschmaus“ von Dr. Helmut Kaplan unter dem Titel „Shitai no bansan“ als erstes Tierrechtsbuch in japanischer Schrift. Erstaunlicherweise wurde das Buch sofort die Nr. 1 einer Buchhandelskette und bekam die Höchstwertung von 5 Sternen. Es scheint also, dass im Unterbewusstsein der Japaner der Tierrechtsgedanke durch die lange vegetarische Tradition noch latent vorhanden ist und nur geweckt werden muss.

Eine Chronologie

Stefan Bernhard Eck

geb. 8.1.1056 in Homburg/Saar Leiter/Sprecher Arbeitskreis Tierrechte & Ethik - A.K.T.E. www.tierrechteportal.de www.frasskultur.de

7. Jh.
Japan wird vegetarisch
Mit dem am Neujahrstag 646 verkündeten "Taika"-Edikt, einer umfassenden politischen und gesellschaftlichen Reform nach dem Sturz des Soga-Clans ein Jahr zuvor, wurde auch die alte vegetarische Tradition Chinas, die zweifellos dem Einfluss des Buddhismus zu verdanken ist, durch die neuen Machthaber Japans gefördert.

8. Jh.
Verzehr von Fleisch verboten
Ein wenig später wurde unter Kaiser Temmu der Verzehr von Fleisch verboten. Sein Nachfolger verfügte im Jahre 721 die Freilassung aller Vögel. Der nächste Thronfolger, Kaiser Seimu, befahl im Jahre 725, dass alte Pferde und Wasserbüffel, die im Ackerbau eingesetzt wurden, nicht mehr getötet werden durften. Die Bevölkerung aß zu dieser Zeit hauptsächlich pflanzliche Produkte, vornehmlich Reis, Seetang und Algen, Gemüse und Obst, aber immer noch Fisch und Muscheln.

11. Jh.
Fischfang verboten
Mitte des 11. Jahrhunderts übernahmen abgedankte Kaiser, die das buddhistische Gelöbnis abgelegt und sich in Klöster zurückgezogen hatten, im Auftrag der regierenden Kaiser die Verwaltung des Landes. Durch ihren Einfluss wurde schließlich im Jahre 1127 auch der Fischfang verboten, und Japan war tatsächlich ein vegetarisches Land geworden.
In dieser Zeit wurden zwar keine Tiere zu Nahrungszwecken mehr getötet, aber sie wurden weiterhin als Arbeitstiere beim Ackerbau eingesetzt. Auch wurden Hunde gehalten, die über Haus und Hof zu wachten.

16. Jh.
Vegetarische Nation war geboren
Diese vegetarische Nation wurde vielleicht nur deshalb Wirklichkeit, weil Japan über viele Jahrhunderte vom Rest der Welt nahezu abgeschnitten war. Zum Glück für Mensch und Tier blieb das japanische Volk seinen buddhistischen und shintoistischen Traditionen treu, auch nachdem es durch den kläglich gescheiterten Versuch der Christianisierung im Jahre 1549 durch den portugiesischen Jesuiten-Mönch Francisco de Jassu y Xavier (bekannter als "heiliger Franz") mit westlichen Ideologien in Berührung gekommen war.

17. Jh.
Tiere-Aussetzen wurde verboten
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts rief der fünfte Shogun Tsunajoshi ein unter dem Namen "Awareminorei" bekannt gewordenes Gesetz aus, in dem unter anderem auch das Aussetzen von Tieren verboten wurde. Nach seinem Tod wurden zwar die strengen Tierschutz-Gesetze wieder gelockert, aber ein großer Teil der japanischen Bevölkerung, vor allem die Oberschicht, ernährte sich weiterhin vegetarisch.
18. Jh.
Missionare des Landes verwiesen, Japan blieb vegetarisch
Wäre jener Missionierungs- und Kolonialisierungsversuch erfolgreich verlaufen - es wurde zu jener Zeit meist gleichzeitig missioniert und kolonialisiert, in der Regel mit Feuer und Schwert, und zwar nicht nur zur „größeren Ehre Gottes“, sondern auch zur erfrischenden Auffüllung königlicher und päpstlicher Säckel und Gold-Schatullen -, wäre dem vegetarischen Utopia rund 300 Jahre früher das Ende beschieden gewesen. Mensch und Tier hatten noch einmal eine Gnadenfrist erhalten, da Shogun Tokugawa Ieyasu die Missionare des Landes verwiesen hatte.
Lux ex oriente - Das Licht aus dem Osten
Das vegetarische Utopia war keineswegs rückständig, allenfalls im (waffen-) technischen Bereich. Im 18. Jahrhundert war Edo, die damalige Hauptstadt des ja-panischen Reiches, mit einer Million Einwohnern die größte Stadt der Welt und Zentrum einer fortgeschrittenen und blühenden Wirtschaft der vorindustriellen Welt. Also: "Lux ex oriente" in vielerlei Hinsicht.

19. Jh.
Das Unheil kam aus dem Westen
Calamitas ex occidente! Mitte des 19. Jahrhunderts drangen amerikanische Walfänger in die fischreichen Gewässer vor Japans Küste ein, um ihrem blutigen Handwerk nachzugehen. Die Walfang-Schiffe wurden von der japanischen Marine aufgebracht und die Mannschaften auf ihren Schiffen nahe der Küste festgehalten. Endlich war der lange ersehnte Anlass für Amerika gekommen, um seine wirtschaftlichen Interessen - die Öffnung der japanischen Märkte - mittels Kanonenboot-Diplomatie durchzusetzen.
Am 31. März 1854 erzwang Kommodore Matthew Calbraith Perry die Unterzeichnung des Vertrags von Kanagawa, ein Handelsabkommen zwischen Japan und den USA, das westlichen Nationen beträchtliche Vorteile zusicherte, einschließlich des Privilegs der Exterritorialität ihrer Handelsniederlassungen auf japanischen Boden. Das Ende des vegetarischen Utopias war damit eingeläutet.

20. Jh.
Regierung beendet Vegetarismus
Nur knappe 30 Jahre später stellte der junge Kaiser Mutsuhito seine Regierungszeit unter das Motto Meiji ("erleuchtete Regierung") und wählte für sich die Bezeichnung Meiji-Tenno als Kaisertitel. Eine Erleuchtung kann leider aber auch zur Verblendung führen. Das Ende des alten Japans war gekommen, denn die Meiji-Reformen orientierten sich vor allem an westlichen Standards. Im modernen, dem Westen aufgeschlossenen Japan, dessen Hauptstadt nun Tokyo wurde, war für die vegetarische Tradition kein Platz mehr. Schließlich wurde nach der bedingungslosen Kapitulation am 14. August 1945 das Land "amerikanisiert": tägliche Schulspeisung nach amerikanischem Muster mit Milch, obwohl die meisten Asiaten zur Lactose-Unverträglichkeit neigen, Chicken- und Beef-Burger made in USA - mit einem Satz - the american way of life wurde zum Lebensgenuss stilisiert.

21. Jh.
Heute: Fastfood & Tiermord made in USA
Heute ist Japan von amerikanischen Fastfood-Einflüssen genauso heimgesucht wie andere Länder auch, in denen das Pro-Kopf-Einkommen fette Gewinne verspricht. Neben den typisch amerikanischen Fastfood-Restaurants sind nach amerikanischem Vorbild landestypische Fastfood-Ketten entstanden, die dem asiatischen Gusto gerecht werden. Gyudon (Rindfleisch auf Reis) und Yakitori (gebratenes Hühnerfleisch) sind marktführend. Japan hat sich leider zur Fastfood- und Tierausbeutungsnation entwickelt.

Foto:

Dexter Kozen, www.cs.cornell.edu/kozen/Japan/Japan.htm