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Carolin Wehrmann,

geb. 1959 in Kempen am Niederrhein. Nach Grafik-Design-Studium Illustratorin für Werbeagenturen, dann freie Kunstausstellungen in mehrer europäischen Großstädten, 2 Buchcover, einen Lebensabschnitt auch als Unternehmerin eines kleinen Betriebes. Rückkehr zur Kunst nach Geburt ihrer beiden Kinder, wenig später wurde sie mit ihren realistischen Darstellungen des Himmels und der See sehr erfolgreich und schaffte es als eine der wenigen europäischen Künstlerinnen, auch in den USA Erfolg zu haben. Sie stellt in Deutschland auf der ART MARITIM in Hamburg aus und ist im März 2006 nach Dubai eingeladen, wo eine Vernissage für Ihre Kunst geplant ist. Carolin Wehrmann lebt und arbeitet heute mit ihren beiden Kindern Carolina und Friedrich und vier Hunden in einem Landhaus vor Lübeck.

Die Malerin Carolin Wehrmann sprach mit uns über Vegetarismus, das Verhältnis Mensch - Tier und die Haltung der kirchlichen Institution gegenüber diesen Fragen. Mit ihren kritischen bildhaften Darstellungen dieser Themen möchte sie auf friedliche Weise zu einem gerechteren und von Achtung getragenen Verhältnis zwischen Mensch und Tier in unserer Gesellschaft beitragen.


Veg: Frau Wehrmann, Sie sind Künstlerin und Vegetarierin. Wie sind Sie zum Vegetarismus gekommen?

Carolin Wehrmann: Die vegetarische Ernährung ist ein Thema, das mir schon lange am Herzen liegt. Ich habe mich jahrelang nicht nur für Umweltschutz, sondern auch für Tierschutz eingesetzt. Den Ausschlag aber gab meine damals 2-jährige Tochter. Ich fürchtete mich, nachdem ich mein erstes Kind geboren hatte, vor der Frage - die kommt irgendwann, das war mir immer bewusst, aber man verdrängt dieses Thema im Alltag -: "Was ist Fleisch?" Ich wurde so erzogen, dass Fleisch ein selbstverständlicher Bestandteil der Ernährung sei. Und obwohl ich immer ein kritischer Mensch war, mich mit Ernährungswissenschaften beschäftigte und zu dem Schluss kam, man braucht gar kein Fleisch, dachte ich doch bei meinem ersten Kind: "Ach, mach lieber nichts falsch, sie braucht vielleicht doch Fleisch." Meine Tochter aber hat Fleisch von Anfang an verweigert. Im Alter von 2 Jahren - sie war sehr früh entwickelt - fragte sie mich : "Was ist das (Anm.: Fleisch) eigentlich?" Weil sie anfing zu weinen, als ich es ihr erklärte, versprach ich ihr ohne weitere Erklärungen: "Mein Liebes, ab morgen essen wir kein Fleisch." Ich konnte ihr nicht erklären, dass Tiere zum Essen da seien, denn ich wusste: Es ist nicht so. Dieses Unrechtsbewusstsein habe ich schon seit frühester Kindheit in mir. Aber die Erziehung - da kann man mal sehen, wie stark diese einen beeinflusst - und später die Gewohnheit und die Verdrängungsmechanismen waren zu stark. Diese so genannte "Fleischlust" habe ich erst in einem langen Prozess überwunden.

"Ich bin ein Gourmet und koche selber leidenschaftlich gerne. Ich finde, man kann mit der vegetarischen Küche die tollsten Gerichte kochen." Carolin Wehrmann

Canard à l'orange

Carolin Wehrmann: „Das ist ein altes französisches Gericht, ein richtiges Original, das es schon seit vielen Jahrhunderten gibt. Canard à l`Orange ("Ente an Orangensauce") wird in jedem französischen Gourmetrestaurant angeboten. Das Bild ist eine satirisch-bissige Darstellung der Zutaten im Originalzustand: Die Ente steht noch lebend auf dem Teller, und auch die Orange lebt noch. Das Silbertablett ist Symbol für eine Tischkultur, die ein vorangehendes Gemetzel und einen Tötungsakt voraussetzt.“ 
Öl auf Leinwand, 120x120 cm   

Das Abendmahl

Carolin Wehrmann: „Mein "Abendmahl" spricht ganz deutlich die Kirche an. Der Hintergrund ist dem berühmten Gemälde "Das Abendmahl" von Leonardo da Vinci nachempfunden. Der Priester symbolisiert die kirchliche Obrigkeit, von den Päpsten über die Kardinäle bis hin zu den Bischöfen und sonstigen Vertretern der Kirche in ihrer verlogenen Doppelzüngigkeit. Sie predigen die Zehn Gebote (unten rechts sichtbar als hebräische Ziffern), verhalten sich aber genau andersrum. Die Völlerei hat ja bis heute nicht vor den Pforten der Kirche Halt gemacht, und es wird auch nach wie vor getötet. In ihrer Lehre spricht die Kirche immer nur von Menschen, auf die Tiere hat sie vergessen. Es gibt ja einige Bibelstellen, aus denen hervorgeht, dass Jesus nicht wollte, dass Tiere getötet und geopfert werden. Selbst soll er auch kein Fleisch gegessen haben. Was die Kirche betreibt, ist für mich Bigotterie. Sie dreht sich den Glauben so zurecht, wie sie ihn gerne hätte: Den einen darf ich nicht töten, den andern aber schon - egal, ob niederes Wirbeltier oder höheres Säugetier, wie wir Menschen es auch sind. Das soll das Metallgestänge und das nackte Schwein deutlich machen, ein typisches Massentierhaltungsschwein, eine Züchtung ohne Haare. Konventionelle Bauern oder Landwirte nennen es "Material". Das kleine Engelchen, das gleichzeitig Teufel ist, reicht dem Priester die Versuchung dar, und dieser widersteht nicht, obwohl er etwas anderes predigt.“ 
Öl auf Leinwand, 120x120 cm   

Die Schwarzbunte Nr. 16

Carolin Wehrmann: „Die Schwarzbunte Nr. 16 spricht unsere Massentierhaltung an. Tiere sind dabei nur Nummern und haben für die Betreiber keine größere Bedeutung als Sachen. Das heißt, sie werden in keinster Weise als lebende Wesen respektiert. Im Hintergrund sieht man schemenhaft Höhlenmalerei. Sie soll das Verhältnis des Menschen zum Rind-Fleisch ausdrücken. Dieses Verhältnis hat sich von der Steinzeit bis heute nicht geändert.“ 
Öl auf Leinwand, 120x120 cm    

Agnus Dei

Carolin Wehrmann: „Das Lamm bedeutet für mich immer Opferlamm, Symbol für die Leiden Christi. Das Original stammt von einem berühmten spanischen Künstler. Er hat nur das Schaf gemalt. Es blutet und ist in Fesseln gebunden - völlig hilflos. Ich habe eine Assoziation zu diesem alten Gemälde gemalt, habe dem Lamm die Fesseln aufgeschnitten.
Das gotische Fenster stellt die Kirche dar. Ihre Doppelzüngigkeit und Gier wird durch ein Wesen symbolisiert, dass zugleich Schlange und Geier ist. Was die Kirche aus den Lehren Jesus und den Botschaften anderer Propheten gemacht hat, ist für mich eine Verzerrung der Wahrheit, die unsägliches Leid verursacht hat. Im Hintergrund sieht man viele getötete Schafe - Symbol für die Tötung des Reinen und Unschuldigen. Angesichts dieses Gemetzels, das im Namen des
Kreuzes stattfindet, gerät das heilige Symbol gefährlich ins Wanken. Im
Übrigen gilt für mich das Gebot "Du sollst nicht töten" auch für Tiere -
nur weil sie nicht sprechen können, sind sie nicht weniger wert als wir.“ 
Öl auf Leinwand, 140x100 cm   

Dinner for One?

Carolin Wehrmann: „Es ist dies eines meiner satirisch verbrämten Werke, die mit bissigem Humor indirekt auf die grausame Wirklichkeit hinweisen. Im Stil der holländischen Meister geschaffen, stellt dieses Stillleben unsere ästhetische Tischkultur dar: mit funkelnden Gläsern und fein geputztem Silber. Die Jagd-Trophäe in der Mitte des Bildes überschattet allerdings den feinen Glanz: Die Jäger (und auch Jägerinnen!) sind stolz auf ihr blutiges Treiben und fühlen sich als Herren über die Tiere - die meiner Meinung nach auch eine Seele haben - als Herren über Leben und Tod. Mit dem Gegensatz zwischen gehobener Tischkultur und niedrigem Trophäen-Wahn wollte ich bewusst machen, dass in der Zeit, in der die leeren Teller auf ihre Befüllung, das Fleisch, warten, ein furchtbares Gemetzel stattfinden muss, ein Tötungsakt und ein Zerlegen der Leiche. Vielleicht denken dadurch einige Menschen über ihre Essgewohnheiten nach.“ 
Öl auf Leinwand, 120x80 cm    

Parmaschinken mit Melone

Carolin Wehrmann: „Wieder an den holländischen Meistern inspiriert, zeigt auch dieses Stillleben, wie "Dinner for one", eine ästhetische Tischkultur, gerichtet für die privilegierte Gesellschaft. Den Gegensatz dazu bildet ein nackter Schweinehintern, der einem Menschenhintern sehr ähnlich sein könnte. Übrigens gibt es laut neuesten Forschungsergebnissen viele Ähnlichkeiten zwischen Schwein und Mensch - bis hin zur Eiweißstruktur. Zudem ist unser Verdauungssystem nicht darauf angelegt, Schweinefleisch, und überhaupt Fleisch, zu verdauen. Das Bild soll darauf hinweisen, dass der Verzehr von Schweinefleisch dem Kannibalismus sehr nahe kommt.“  
Öl auf Leinwand, 70x100 cm   

Von Carolin Wehrmanns Arbeiten zum Zyklus: "Sie haben ein Gesicht" gibt es ein Postkarten-Set zum Preis von Euro 7,50 zzgl. Versand.
Wer sich für diese Originale und weitere Ölbilder interessiert, kann sich unter www.portaet.de informieren.

"Das möchte ich letztlich erreichen: dass meine Bilder über subtile und friedlich transportierte Informationen in den Betrachtern ein Verantwortungsgefühl gegenüber den Mitgeschöpfen wecken." Carolin Wehrmann