Vegetarisch schön
Die neue Miss Schweiz, Lauriane Gillièron, ist laut ihrem Steckbrief seit 13 Jahren Vegetarierin und isst viel Salat und Gemüse. Darauf angesprochen, meinte sie: "Ich werde nie eine Bratwurst essen." Eine normale, ehrliche Meinungsäußerung, könnte man meinen. Nicht so für die Schweizer Metzger. Wie mit einer Nadel gestochen reagierten Fleischesser und Metzger heftig: "Man sieht, dass die neue Miss Schweiz Vegetarierin ist. Sie hat kein Fleisch am Knochen." Der Metzgermeister-Verband legt in der Verbandszeitung "Fleisch und Feinkost" noch eins drauf. Chefredaktor Andreas Wöllner wertete das Bratwurst-Statement als "einfältig". Das ließ die kämpferische und selbstbewusste Miss Schweiz nicht so stehen: "Ich respektiere Fleischesser, also sollten auch sie mich respektieren. Kein Fleisch zu essen, hat doch nichts mit Dummheit zu tun. Ich bin stolz, Vege-tarierin zu sein. Ich trage Sorge für die Tiere.“
Bravo!, kann man da nur sagen, und: Recht hat sie. Die "Tier-Leichenteil-Verkäufer", also die "Gesellen des Todes", wissen natürlich, warum sie zittern. Alfred Brun, Chef einer St. Gallner Metzgerei, sagte es offen: "Wenn Lauriane eine Kampagne gegen Fleischesser startet, dann kriege ich ein Problem."
Journalisten versuchten zu schlich-ten und meinten, es ihrer jugendlichen Unerfahrenheit anzulasten, dass sie das emotionale Wort "nie" zusammen mit dem in der Ostschweiz fast heiligen Wort "Bratwurst" ausgesprochen habe. Sie hätte doch einfach sachlich sagen können, dass sie kein Fleisch esse.
Es sei ja "keine neue Erkenntnis, dass sich heute viele junge Frauen und Mädchen vegetarisch ernähren". Zudem sollten die Metzger geschickter reagieren, die Vegi-Herausforderung kreativ nutzen und deshalb Vegi-Produkte ins Sortiment aufnehmen, anstatt zu jammern. "Wenn der Kunde ein Vegi-Schnitzel wünscht, sollte er dieses auch in einer Metzgerei finden. Sogar Bell Convenience und der Hähnchenspezialist Fredag produzieren solche. Auch die Gastronomen stellen sich auf den Vegi-Trend ein und offerieren heute oft kreative und schmackhafte Vegi-Tagesteller."
So hat die Miss Schweiz als erste Amtshandlung ungewollt eine wichtige Diskussion ins Rollen und damit vielleicht so manchen Fleischesser zum Nachdenken gebracht - und vielleicht so manchem Tier das Leben gerettet. Interessant ist nur, dass bereits die letzte Miss Schweiz, Bianca Sissing, Vegetarierin war. In einem Bikini aus Wirsingkohl wirbt sie offiziell für gesunde vegetarische Ernährung. Gibt es da vielleicht ein Geheimniss zu lüften? Unter diesem Gesichtspunkt kann man die Angst der "Tier-Leichenteil-Verkäufer" um die weibliche Kundschaft nachfühlen. Ein Journalist getraute sich, das Naheliegende in Worte zu fassen: "Solange die Jus-Studentin Lauriane Gilliéron nicht behauptet, ihre Schönheit sei durch den Fleischverzicht bedingt, sollten sich die Metzger und Wurster des Landes nicht unnötig provoziert fühlen."
Miss Schweiz 2005
»So lange ich lebe, werde ich für Tiere kämpfen!«
Vegi-Info: Frau Lauriane Gilliéron, warum essen Sie kein Fleisch?
Lauriane Gilliéron: Weil ich Tiere liebe und verrückt nach ihnen bin. Tiere sind für mich wertvolle Wesen mit Schmerzempfinden und Gefühlen, wie wir sie auch haben.
Vegi-Info: Wie verhalten Sie sich bei Tisch, an dem andere Fleisch essen?
Lauriane Gilliéron: Ich verstehe nicht, wie man das machen kann, dennoch respektiere ich Menschen, die Fleisch essen.
Vegi-Info: Oft fühlen sich Fleischesser durch die bloße Anwesenheit eines Vegetariers angegriffen. Braucht es für Sie manchmal Mut, diese konsequente tierschützerische Haltung zu vertreten?
Lauriane Gilliéron: Nein, eigentlich nicht, denn ich bin sehr stolz darauf, Vegetarierin zu sein, und werde diese Message immer vertreten. Ich habe kein Problem damit, wenn ich deswegen angegriffen werde. So lange ich lebe, werde ich für Tiere kämpfen!
Vegi-Info: Pelz zu tragen ist wieder sehr modern. Sprechen Sie Frauen an, die sich in die Haut von Tieren hüllen?
Lauriane Gilliéron: Ja, aber nur, wenn ich sie kenne. Jemanden im Bus einfach ansprechen, das mache ich nicht. Wenn ich die Person aber kenne, sage ich zu ihr: Weißt du, dass das Mord ist? Es ärgert mich sehr, dass Tierquälerei nun wieder so aktuell ist. Ich selber trage manchmal Kunstpelz und verstehe nicht, dass man Tiere quälen muss, wo man doch heute so schöne synthetische Pelze herstellen kann.
Das vollständige Interview wird abgedruckt im »Vegi-Info« 2005/4 der Schweizerischen Vereinigung für Vegetarismus SVV (www.vegetarismus.ch).
Miss Schweiz 2004
»Ich esse nie wieder Fleisch!«
Bereits die Miss Schweiz 2004 Bianca Sissing, war Vegetarierin. Sie ließ sich sogar für ein neues PETA Anzeigenmotiv in Gemüse hüllen: Nur bekleidet mit einem Bikini aus Wirsingkohl wirbt sie für gesunde vegetarische Ernährung.
Bianca Sissing ist seit vielen Jahren Ve-getarierin und möchte mit dieser Aktion ein Zeichen setzen: "Nachdem ich gesehen habe, wie die Tiere in Schlachthöfen oder auf Tiertransporten behandelt werden, war es für mich klar: Ich esse nie wieder Fleisch!"
Das Shooting in Zürich wurde umgesetzt vom Hamburger Fotografen Carlos Anthonyo, der seit vielen Jahren honorarfrei für PETA arbeitet. Der Bikini entstand in mühsamer Kleinstarbeit. Insgesamt rund vier Stunden benötigte Stylistin Adriana Tripa für den perfekten Sitz.





















