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Vegetarisch genießen

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Einleitung Rezepte
Artikel: Politik mit Herz Die veget. Türkei Riskozuschläge »Ich habe Angst!« Wer richtet... Leserbriefe »Bitte vergib mir!«

»Ich habe Angst!«

Bericht einer Rehmutter

»Heute würde ich gerne mit meiner Tochter an den Waldrand zum Essen gehen, da gibt es viele feine würzige Kräuter, die uns gut tun. Doch ich habe Angst. Gestern schon habe ich eine eigenartige Kälte gespürt, als ich mich dem Waldrand nähern wollte. Das ist immer ein Zeichen, dass „gewisse Menschen“ in der Nähe sind. Gefahr droht uns vor allem von den „Monster-Menschen“. Wir nennen sie so, weil sie überall Türme am Waldrand aufgebaut haben, damit sie sich darauf verstecken können und uns, obwohl wir nichts Böses tun, hinterrücks ermorden können. Sie nennen das zynisch „Hege und Pflege“. Meine Tochter, mein Bambi, braucht jetzt unbedingt frische Kräutchen für ihr Wachstum. Wir können uns nicht dauernd von Baumrinde ernähren. Jeden Tag Baumrinde, jeden Tag Tannenschösslinge, das ist nicht unsere Ernährung, die wir brauchen. Unsere Zellen hungern nach frischen Kräutern, doch die „Monster-Menschen“ mit ihren vielen Waffen wollen offenbar nicht, dass wir diese essen, denn sie treiben uns mit ihrer unheimlichen Präsenz in den Wald zurück. Wieso zwingen sie uns, Baumrinde zu essen? Damit sie einen Vorwand haben, uns zu erschießen? Wir sind Wesen, die gerne bei Sonnenschein an den Waldrand gehen würden um die warme Sonne zu genießen. Doch auch das verhindern die „Monster-Menschen“. Wir müssen immer nachts zum Essen gehen und während des Tages schlafen und uns verstecken. Wir leben dauernd in Todesangst. Was sind das eigentlich für Wesen, diese „Ungeheuer“? Immer wenn wir sie wahrnehmen, fühlen wir eine unglaubliche Kälte in uns, so dass wir kaum atmen können. Wir erstarren oft vor Angst. Vielleicht sind das die Erinnerungen an die vielen getöteten Freunde und Verwandten. Letztes Jahr hat so ein „Ungeheuer“ auf meinen Sohn geschossen. Er war noch jung. Ich stand daneben und konnte ihm nicht helfen. Es war furchtbar. Wir sind alle noch traumatisiert und wenn mir die Bilder wieder hochkommen, zittere ich am ganzen Körper. Es gab einen lauten Knall. Gleichzeitig spritzte Blut und Eingeweide aus dem Bauch meines Sohnes. Er schleppte sich mit uns ins dichte Untergehölz um sich zu verstecken. Ich wollte noch weiter fliehen mit ihm, ganz ganz weit weg von diesen „Monstern“. Aber er hatte bereits zu viel Blut verloren, überall blieben Teile seiner Gedärme an den Ästen im Unterholz hängen, denn das Projektil hatte ein großes Loch in seinen Bauch gesprengt. Es war furchtbar, das als Mutter mit anzusehen. Er hatte mit unvorstellba-
ren Schmerzen zu kämpfen. Viele Stunden klagte und jammerte er. Dann tauchten plötzlich Hunde auf. Sie folgten der Blutspur und bissen ihm in den Hals, bis er starb. Wir konnten gerade noch rechtzeitig und uns verstecken, bevor die „Monster-Menschen“ kamen, die die Hunde auf meinen Sohn hetzten. Ich konnte trotzdem beobachten, was sie mit meinem Sohn machten. Einer dieser „Ungeheuer“ nahm ein Messer und schlitzte meinem Sohn den Bauch auf. Er entriss ihm gewisse Eingeweide und badete mit seinen Händen im warmen Blut. Es glich einem Ritual, denn er stieß meinem toten Sohn einen grünen Tannenzweig zwischen die Zähne. Ebenso befestigte er einen Zweig an seinem Hut. Damit will er wohl allen zeigen, was für ein Kerl er doch ist, dass er kaltblütig meinen Sohn getötet hat. Er schien sich daran zu ergötzen, denn er lachte immer wieder den anderen „Monster-Menschen“ zu, die nach und nach eintrafen. Sie freuten sich alle und gratulierten ihm und viele tranken aus kleinen Flaschen und prosteten sich zu. Die entrissenen Eingeweide warf er einfach ins nächste Gebüsch. Diese „Monster“ scheinen gefühllos dem Leben gegenüber zu sein. Wir verstehen nicht, wie gewisse Menschen, die doch den gleichen großen Geist in sich haben müssten wie wir, sich so verhalten. Haben sie den großen Geist nicht mehr in sich? Haben sie einen anderen, bösen Geist in sich eingelassen? Das würde vieles erklären. Einige von uns meinen, dass nicht alle Menschen diesen bösen Geist in sich haben. Aber wenn es so wäre, wieso lassen sie es denn zu, dass wir unschuldige Wesen von den „Monster-Menschen“ so endlos gequält, verfolgt, verletzt und getötet werden dürfen? Warum helfen sie uns nicht? Warum?«

(Leserzuschrift)